Takayama

 

Steaks. Ich will Steaks!

Sonntag, 05.04.2026

 

Mit dem Shinkansen geht es nach Nagoya. Dort steigen wir um in eine Art Regionalexpress mit Sitzplatzreservierung. Mit dem Zug geht es durch ein enges und romantisches Tal nach Takayama, einem Ort mit 3.000ern in Sichtweite, unweit der Nordwestküste gelegen.

 

 

Hier wohnen wir wieder in einem Hotel direkt am Bahnhof.

 

Im Vergleich zu Kyoto muss man Touristen, vor allem Abends, schon fast mit der Lupe suchen.

 

 

Wir machen einen ersten Erkundungsspaziergang. Unweit des Hotels sehen wir, wie ein Festwagen von mehreren Männern auf die Straße gezogen wird. In rund zwei Wochen steht der große Festzug an. Was es mit diesen Festwagen auf sich hat – dazu später mehr.

 

 

Unser Ziel sind mehrere Tempel am Ortsrand, etwa der Soyu-ji Tempel. Doch, wir haben den optimalen Zeitpunkt für unsere Reise erwischt: Auch hier sind die Kirschbäume voll am Blühen. Am Rückweg finden wir wieder eines dieser „hidden gems“, ein Café. Hier ziehen wir beim Betreten die Schuhe aus, es gibt Länderkaffees und leckere Kuchen.

 

Kurz vor dem Hotel stoßen wir auf die Kokubun-ji Pagode. Jeder Ort hat seine Eigenheiten. In Takayama sind es die berühmten Steaks und die gesichtslosen Saruba-Figuren, das traditionelle Maskottchen der Gegend. Diese Stoffpuppen wurden ursprünglich von Großmüttern aus Stoffresten für ihre Enkel als Spielzeug und schützender Talisman gefertigt.

 

Sie symbolisierten Glück für die Ehe, eine problemlose Geburt und gesunde Nachkommen. Dass die Puppen kein Gesicht haben, hat eine besondere Bedeutung: Ohne festen Gesichtsausdruck spiegeln sie stets die Gefühle ihres Besitzers wider. Ist man traurig, erscheint auch die Puppe traurig; ist man fröhlich, scheint sie ebenfalls zu lächeln.

 

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und uns mal kurz frisch gemacht haben, geht es zum Essen. Wir wissen auch schon genau, was wir wollen: Wagyu-Rind. Im ersten Restaurant gibt es eine toller Sauce dazu und einen leckeren Salat, jeder bekommt seinen eigenen Ofen. 100 Gramm Fleisch waren halt etwas wenig. Und ein Bier für drei Personen auch – mehr gab es einfach nicht. Wurde noch nie nachgefragt, hat noch nie einer bestellt. Ein Bier reicht doch auch. Echt.

 

Beim zweiten Lokal – wir haben halt noch Hunger - hat auch jeder einen Ofen, diese Öfen sind allerdings im Tisch eingelassen. Diesmal gab es 60 Gramm Fleisch. Das erste Mal, dass ich 2x hintereinander essen war. Dafür bekommt jeder sein eigenes Bier.

 

 

Ich besuche noch das Onsen am Dach des Hotels. Nett, aber nicht vergleichbar mit dem Ryokan in Ohiradai vor ein paar Tagen. Die Fenster sind beschlagen, also gibt es nur bedingt Blick einen Blick über die Stadt.

 

Als ich mich in Vorbereitung auf das Onsen waschen will – was in Japan sehr ernst genommen wird und im Zweifelsfall länger dauert als das Bad im Onsen selbst – höre ich, wie im Hintergrund ein Japaner ruft. Ich muss gestehen, ich fühle mich nicht angesprochen. Erst als er neben mir steht und hysterische Armbewegungen macht, ist mir klar, dass er mich meint. Er zeigt ganz aufgeregt auf das Duschgel und das Haarwaschmittel. Das ist wieder einer dieser kulturellen Unterschiede. Der Deutsche reserviert seine Sonnenliege mit einem Handtuch, der Japaner seine Dusche mit einem Duschgel.

 

"Was dem Deutschen sein Handtuch ist, ist dem Japaner sein Duschgel, um sein Revier abzustecken."

— Peter Belina

 

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