Tokyo

 

 

Wo ist der Kaiser, wenn man ihn braucht?

Dienstag, 24.03.26

 

Wir laufen mal durch den Ostgarten des Kaiserpalastes, den Kokyo Higashi-köen, von wo aus man den Palast nicht zu Gesicht bekommt. Wohl wissend, das man vom Kaiserpalast nicht viel sieht, stellen wir uns in eine endlos lange Schlange, die sich wegen des Sicherheitschecks bildet. Nach gut 30 Minuten sind wir durch und laufen brav den Massen hinterher und kommen am kaiserlichen Stall vorbei (oder war das die Besenkammer?), am kaiserlichen Wachposten (oder war das das kaiserliche Gästetoilette?). Kaiser Narihuto (der damals noch nicht im Amt war), habe ich bei meinem ersten Besuch 2010 „kennengelernt“, als er beim JCI-Weltkongress eine Rede gehalten hatte. Siehe hier.  

 

 

O.k., das war es nicht. Also weiter zum Bahnhof Shinbashi, von wo aus wir bereits unser nächstes Ziel sehen, den Tokyo Tower. Vorher machen wir aber noch einen kleinen Abstecher zum Zojo-ji-Tempel.

Zojo-ji Temple
 
 
 
 
Zojo-ji Temple
 
 
 
 
Zojo-ji Temple

 

 

Tokyo Tower: Irgendwie kommt es mir vor, als wäre ich schon mal da gewesen. Kann natürlich auch daran liegen, dass der Turm ausschaut wie der Zwillingsbruder des Eiffelturms. Allerdings bunter, erst 1958 errichtet, mit 333 Metern drei Meter höher als sein französisches Pendant und nur halb so schwer. Für 1.500 Yen geht es auf 150 Meter Höhe. 10 Yen pro Meter - ein guter Deal, wie ich finde.

 
 
Zojo-ji Temple

 

 

Die Aussicht ist klasse! Interessanterweise gibt es keine Sichtachse zum Tokyo Skytree. Leider können wir den Sonnenuntergang und die blaue Stunde nicht abwarten.

 

 

Warum wir nicht länger bleiben können? Um 18 Uhr wartet eine Welt voller Illusionen auf uns, das teamLab Borderless-Museum.

 

 

Vorher aber müssen wir noch was essen. In zwei Hochhäusern gibt es zwar Restaurant-Ebenen, aber entweder ohne Sitzplätze, schon oder noch geschlossen. Also streunen wir etwas durch die Straßen, bis wir eine Kneipe finden mit sechs Stühlen an einer Theke. Sein Essen bestellt man am Automaten, bezahlt dort auch. Das Ticket geht dann an den Koch. Das Essen ist richtig gut! In Deutschland gibt es solche kleine Kneipen nicht mehr oder gab es wahrscheinlich noch nie. Das Essen ist total lecker, die beiden Jungs hinter dem Tresen gut drauf.

 

 

Das eigentliche Highlight: Das „teamLab Borderless“ – ein Museum, das die Wahrnehmung verschiebt. Virtuelle Tiere schwimmen die Wände hoch, eigene Zeichnungen werden Teil des digitalen Universums. 

 

Auf den Boden, die Wände und die Decken werden Landschaften, Menschen, Pflanzen, Tiere oder Gegenstände projeziert. Aha-Effekte ohne Ende. In jedem Raum eine andere Projektion. Keine Ahnung, ob ich in jedem Raum war...

 

 

In einem Raum gibt es z.B. Spuren am Boden. Wenn man in eine hineintritt, folgen sie Dir. Je nachdem, wir Du Dich weiterbewegst, erzeugst Du Muster auf dem Boden.

 

 

Wieder in einem anderen Raum schwimmen gezeichnete Meerestiere an der Wand. Immer wenn Du Dich mit Deiner Hand in Richtung Tier bewegst, nehmen sie Reißaus. Ich stelle mich dort in einer kurzen Schlange an. Keine Ahnung, wo mich das hinführt. Ich werde gefragt, welches Tier ich möchte. Erst als ich ein Blatt Papier erhalte mit einer skizzierten Schildkröte, wird mir klar, was Sache ist. Tatsächlich: Ich werde zu einem Platz geführt mit Wachsmalstiften und hauche meinem Tier Leben ein. Dieses „Kunstwerk“ überreiche ich einer netten Dame, die das Tier einscannt. 10 Sekunden später fällt meine Schildkröte von der Decke und wird Teil dieses faszinierenden Universums.

 

 

In wieder anderen Räumen bewegst du Dich zwischen Spiegeln, mal rollen reflektierende Kugeln die Wände entlang, mal hängen sie von der Decke. Wieder in einem anderen Raum sind viele blattförmige Platten, etwa 50 Zentimeter über dem Boden, die Wände sind komplett verspiegelt, so dass eine endlose Landschaft entsteht. Du bewegst dich zwischen diesen Blättern, wo immer neue Illusionen entstehen. Wieder in einem anderen Raum wird mit deinem Gleichgewichtssinn gespielt und, und, und...

 

 

Und hier ist auch endlich der Kaiser. Er bewegt sich mit seiner Entcourtage an mir vorbei.

 

Ein toller Abschluss für denn heutigen Tag!

 

„Das Faszinierende an Japan ist, dass es gleichzeitig im Jahr 2050 und im Jahr 1850 lebt. Die Zukunft und die Vergangenheit sind hier kein Widerspruch, sie sind Nachbarn.“

-- Gängiges kulturphilosophisches Zitat aus internationalen Reise-Essays

Weitere Ziele in Japan

 

Du interessierst Dich für Osaka, Kyoto, Nara, Koya-san, Nagasaki, Beppu, Mt. Asa, Kurokawa, Amakusa? Dann unten klicken, da geht es zu meiner Japan-Reise im Jahr 2010.

 

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