Kurzer Abstecher nach Peking
Freitag, 20.03.2026
Fünf Stunden Aufenthalt in Peking? Die Zeit brauche ich auch! Ich gehe durch eine Pass- und Ticketkontrolle, wo auch ein Foto von mir gemacht wird. 200 Meter weiter hinten, nochmal eine Pass- und Sicherheitskontrolle incl. Foto. Zweimal Passkontrolle und Foto? Wahrscheinlich seilen sich da regelmäßig irgendwelche Typen vom Dach runter, um die erste Kontrolle zu umgehen. Habe aber keine gesehen.
Bei der zweiten Kontrolle geht es überhaupt nicht vorwärts. In Frankfurt ist es inzwischen so, dass ich alles im Rucksack lassen kann, also auch Laptop, Kameras und sogar Flüssigkeiten. In Peking ist es marginal anders. Hier muss alles raus. Und wenn ich sage „Alles!“, dann meine ich auch „Alles!“ Laptop, Maus, Kameras, Kamera-Akkus, Objektive, Brieftasche, alle Kabel, E-Reader, Schlüssel, SD-Karten, Tabletten, Unterhose... Jeder Akku für meine Kamera wird einzeln geprüft. Wenn die mich aufgefordert hätten, die vier Schrauben meiner Maus aufzuschrauben, hätte mich das nicht wirklich gewundert.
Wahrscheinlich haben die Angst, dass ich Schrottartikeln von Shein, Temu, Alibaba & Co. ins Land reinschmuggeln will. Mein Gelump verteilt sich irgendwann auf 7 (in Worten: „SIEBEN“!) von diesen Gepäckwannen, die dann durchgescannt werden. Natürlich werden meine Wannen nicht direkt hintereinander eingecannt. Dazwischen das Zeugs anderer Passagiere. Ein logistischer Albtraum! Da mutet die Aufforderung „Take care on your behavior“ wie blanker Hohn an.
Mein Laptop bleibt fast als Waisenkind zurück. Der befand sich zwischen zwei von diesen Gepäckwannen. Hinter der Kontrolle türmen sich verlorene Kabel, Powerbanks und Laptops zu archäologischen Stätten. Sind das die Berge von diesem Jahr oder nur die von heute? Chinesisches Sprichwort: Wer nie etwas im Flughafen verliert, war nie da.
Nach gut drei Stunden bin endlich durch die Kontrollen durch und Lost in Translation oder zumindest Lost in Peking. Von Orientierung keine Spur, kein Plan, keine Displays, nur Ratlosigkeit in supersize. Irgendwo entdecke ich dann ein verstecktes Schild „International Flights“. Der Weg endet an einem Lift. Ich fahre entsprechend der Schilder runter und lande im Nirwana. Alles verrammelt. Also fahre ich den Lift wieder rauf. Ein Pärchen aus Polen und eine Frau aus Italien wollen gerade runter. Ich mache ihnen klar, dass das zu nichts führt. Wir suchen jetzt zu viert. Da es Null Komma null Infos gibt, halte ich die erstbesten Personen in Uniform an. Da erfahren wir immerhin, dass wir uns in dieser endlos großen und extrem schwach frequentierten Halle mit dem Charme einer Leichenhalle immer links halten sollen. Unsere Gruppe wird größer, eine Deutsche und eine Schweizerin stoßen dazu, dann noch ein Italiener. Wir wollen hier raus!!! Irgendwann kommt ein Duty-Free-Shop. Dort erfahre ich, dass es etwa 50 Meter weiter sowohl eine Anzeigentafel als auch einen Infostand gibt. Jetzt übertreiben sie aber!
Auf dem Weg zur Air China-Lounge komme ich an lauter geschlossenen Luxusgeschäften vorbei. Da sind Artikel drin, aber noch viel mehr Staub. Die riesige Lounge ist gespenstisch leer. Ich glaube, die hatten mal mit mehr Transitverkehr gerechnet. Schließlich sind die Kontrollen viel relaxter als anderswo :-D
Viel zu bieten hat die Lounge nicht: Was zu trinken, Erdnüsse, Süßigkeiten und Fertiggerichte, die man mit heißem Wasser übergiest.
Ich schreibe an meinem Reiseblog und denke: Wenn Kafka ein Freund von Flughäfen gewesen wäre, hätte er den von Peking in einen Roman eingebaut.
Von München nach Tokyo sind es 9.350, von München nach Peking 9.022 Kilometer. Also sind es doch nach Adam Riese von Peking nach Tokyo 328 Kilometer, oder? Irgendwie ist Air China dann aber sehr langsam unterwegs.
Nach weiteren 3:30 Stunden endlich in Japan! Damit ich zu unserer Unterkunft komme, brauche ich aber erst einmal ein Ticket für die U-Bahn. Wie mir ein netter Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe deutlich macht, lohnt sich der 72 Stunden-Pass für mich nicht, da die beiden Bahnlinien, die wir regelmäßig brauchen, diesen nicht anerkennen. Das U-Bahn-Netz in Tokio ist – Untertreibung des Jahres! - echt unübersichtlich! Also die Suica-Karte. Die lädt man auf (geht nur mir Bargeld, also auf zum Geldautomaten) und kann sie dann in (fast) ganz Japan für Busse und Bahnen nutzen, aber auch z.B. zum Zahlen in Convenience-Stores wie 7 Eleven.
Dank der Fotostrecke unseres Vermieters (Wo muss ich abbiegen, wo den Lift benutzen...) finde ich die Wohnung problemlos und – fast noch wichtiger – muss meinen Koffer nirgendwo eine Treppe raufschleifen. Ohne die Tipps hätte ich locker eine Stunde mehr gebraucht.
Der Flug dauerte sehr lange, ich brauche dringend etwas Bewegung und streune noch etwas herum durch die menschenleeren Straßen Tokyos und komme an ein paar Tempeln vorbei.
“Japan’s way of life is a dance between past and present.”