Ich wollte Abenteuer - aber doch nicht so!
Wer sich für die Horror-Anreise interessiert, der liest hier weiter. Alle anderen reisen gleich weiter nach Tokyo (Samstag, den 21.03.26!)
Anreise nach Frankfurt
Mittwoch, 18.03.26
Ich sag’s gleich vorneweg: Wer plant, in Deutschland stressfrei mit Zügen zu reisen, glaubt vermutlich auch noch an die Zahnfee. Dabei fing alles ganz harmlos an: Lichtenfels. Ich sitze bequem im Zug, der mit mir zusammen gemütlich vor sich hindöst.
Plötzlich dämmert mir: Der Zug wird in Lichtenfels getrennt – vorne nach Bamberg, hinten nach Coburg. Und wo sitze ich? Natürlich im hinteren Zugteil. Ich komme gerade noch raus, bevor der Zug losfährt. Der Zugteil nach Bamberg ist natürlich längst weg. Ankunft in Frankfurt also eine Stunde später. Selbst schuld!
Flug nach Japan – oder doch nach China?
Donnerstag, 19.03.26
Das war der Plan: In Frankfurt in den ANA-Flieger einsteigen, was Gutes essen, dann vielleicht noch einen Film schauen, schlafen, am nächsten Morgen was Leckeres frühstücken und um 8 Uhr in Tokio relaxed aus dem Flieger steigen.
Wie gesagt, das war der Plan. Die Realität war eine andere: Als ich in der Schlange beim Check-In stehe, zusammen mit all den anderen, deren Koffer vom Self Service Check-In abgelehnt wurden, bekomme ich eine E-Mail, dass der Flug gecancelt ist. Nehme ich in dem Moment noch nicht ernst, muss ein blöder Scherz sein.
Wenig später der Aushang, dass die Maschine wirklich ausfällt. Spätestens nachdem mein Ohrwurm „You’re not going to Tokyo tonight“ lauter wird, realisiere ich: Das ist KEIN Scherz.
Ein Mitarbeitender von fraport hat das Flugzeug mit einer Hebebühne so stark beschädigt, dass der Flieger bis auf weiteres nicht einsatzfähig ist.
Schlagzeile der BILD: "Fahrzeugheini mit Hebebühne rammt den Flieger. 250 Tokio-Verliebte auf dem Abstellgleis." Innerhalb von Minuten trudeln 16 Mails ein – in japanischer Gründlichkeit, versteht sich! Ursprünglich geplante Ankunftszeit: Am 20. März am frühen Morgen.
Wir sind zu dritt. Immerhin: Jeder bekommt seine eigene Flug-Improvisationsshow. Susanne gurkt erst nach Bangkok – sie wird die letzte sein am Ziel (Ankunft 21.03. kurz vor Mitternacht). Daniela schippert via Paris (Ankunft 21.03. abends). Ich nehme München und Peking mit (Ankunft: 20.03. abends) mit 14 Stunden Verspätung.
Act like a travel-ninja!
Am 20. März um 19 Uhr hätte uns eigentlich ein Highlight erwartet, ein exklusives Dinner im Sagaya Ginza. Maximal 10 Personen jeden Abend können an diesem kulinarischen und optischen Highlight teilnehmen, Karten sind extrem schwer zu bekommen. Ich habe welche für uns drei ergattert, nur verfallen sie halt, da wir uns zum Zeitpunkt des Dinners noch gar nicht in Tokio aufhalten. Es gab nur Karten für diesen Tag. Dass ein Flug Verspätung hat, o.k., aber wer rechnet denn damit, dass der Flug komplett entfällt? Wo sind die Ausrufezeichen und Totenköpfe auf der Tastatur, wenn man sie braucht?
Die nette Dame am Lufthansa-Schalter für sperriges Gepäck in Frankfurt ändert meinen Sitz von 6C auf 1A, da spare ich wieder 1-2 Minuten in München. Und vor allem organisiert sie mir ein Ticket für den Flug von Peking nach Tokyo – das hatte ihre Kollegin am "normalen" Lufthansa-Schalter nicht geschafft. Meine erste Herausforderung: In 55 Minuten in München durch die Kontrolle und Fahrt mit der Monorail zum anderen Gate. Bin in München als erster bei der Passkontrolle. Verpasse den Zug zwischen den Terminals um Sekunden, muss drei Minuten warten. Countdown läuft.
Ich komme aber zügig durch – so ein langer Kerl schaltet dann halt in den XXL-Schrittmodus. Nachdem die Business-Lounge direkt gegenüber vom Gate ist, habe ich sogar noch drei Minuten für ein kleines Weizen.
Für eine gewisse Irritation sorge ich beim Lufthansa-Mitarbeiter, als ich auf dessen Frage, wie lange ich in China bleibe, die Antwort gebe: „5 Stunden!“ Ich lasse den Mann mit offenem Mund stehen.