Petra

 

Petra, die zweite

 

Mohammed, unser Guide, führt uns heute nicht durch den Siq. Vielmehr verlassen wir den Weg unmittelbar am Beginn des Siq beim Triclinium und kraxeln wie die Bergziegen linker Hand den Berg hoch.

 

 

Dort oben ist alles ganz anders als unten im Siq. Auch hier eröffnen sich einem laufend neue Panoramen, diese sind aber komplett anderer Natur. Zum einen überblicken wir diese grandiose Landschaft, zum zweiten eröffnen sich immer wieder Blicke in den Talkessel von Petra mit dem Theater, den Königsgräbern und die Säulenstraße. Zum dritten bekommen wir aber auch ganz neue Gräber zu Gesicht, kommen an Obelisken vorbei und entdecken alte Inschriften im Fels.

 

 

Im Gegensatz zu anderen Schriften, lassen sich die Zeugnisse der Nabatäer wohl relativ leicht entziffern, verwendeten sie offenbar eine Sprache, die wie ein alter Dialekt des Arabischen wirkt.

 

Wirklich sensationell sind immer wieder die Blicke auf verschiedene Gräber. Während die anderen einem Tee in einem Nomadenzelt schlürfen, suchen wir zu Dritt einen Weg zu einem Felsen, von dem aus man einen tollen Blick auf das Schatzhaus haben soll. Alleine, wir scheitern. Der schmale Saumpfad am Absturz entlang ist nur etwas für Suizidgefährdete, der Weg durch das unwegsame Bachbett führt aus unserer Sicht zu weit runter. Also trinken wir halt auch erst einmal einen Tee.

 

 

Später sollten wir vom nächsten Plateau sehen, dass der Weg durch die Schlucht wohl doch der richtige gewesen wäre.

 

Oben auf einem weiteren Hochplateau stehen zwei Obelisken, die aber keine sind. Auch diese wurden komplett aus dem Felsen gehauen, wie fast alles andere in Petra. Heute geht man davon aus, dass diese von den Steinbrucharbeitern, die dort oben tätig waren, aus Achtung vor der Gottheit im Fels „stehen gelassen“ wurden.

 

 

Petra: erst 1812 „wiederentdeckt“

 

Erst 1812 wurde Petra „wiederentdeckt“, zumindest von Europäern. Diese Entdeckung war kein Zufallsfund. Vielmehr suchte der Schweizer Johann Ludwig Burckhardt basierend auf Erzählungen von Einheimischen und auf Quellenstudien gezielt nach der Stadt. Er unternahm eine Reise nach Petra unter dem Vorwand, er habe ein Gelübde abgelegt, am Grab Aarons (oberhalb von Petra) eine Ziege zu opfern. Die heimischen Beduinen kannten Petra natürlich, lebten bis in die 1970er Jahre in verschiedenen Grabmälern und Tempeln. Arabischen Legenden zufolge gibt es in Petra viele Schätze. Man wollte verhindern, dass die Europäer diese durch „Zauberei“ fanden und abtransportieren, weshalb man diesen Ort so versteckt hielt.

 

Ist es wirklich so verwunderlich, dass hier der Spielfilm "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" gedreht wurde?

 

Die früher dort lebenden Beduinenfamilien haben deshalb auch heute noch Sonderrechte, dürfen Esel, Kamele oder Kutschen als Transportmittel anbieten, Souvenirs verkaufen oder Essen und Getränke. Da sind regelrechte „Shoppingmalls“ entstanden. Die jordanischen Verkäufer sind gottlob wesentlich zurückhaltender, als etwa die Marokkaner oder Ägypter, dort hätten wir immer Menschentrauben um uns rum. Man glaubt nicht, wo überall Andenken oder Getränke verkauft werden. Praktisch vor jedem interessanten Bauwerk stehen solche Stände und auf jedem Aussichtsberg ein „Bergzelt“, das jordanische Gegenstück zur Berghütte, wie wir sie aus den Alpen kennen.

 

 

Das beste Ambiente unter all den „Teehäusern“ hat eines, das ein Beduine mit seinem kleinen Sohn im Garten-Triclinium eingerichtet hat. Unseren Tee schlürfen wir dort in einem Jahrtausende alten Gebäude, das aktuellen Forschungen zufolge kein Grab, aber auch kein Tempel war, sondern einen profanen Nutzen hatte.

 

Aber wer weiß, vielleicht wurde hier bereits vor 2000 Jahren Tee geschlürft?

 

Von hier oben sieht man etliche Zisternen, die Nutzung des Gebäudes könnte natürlich auch damit zu tun haben. Damals wie heute regnet es in dieser Gegend selten. Ist es dann aber mal so weit, kommt das Wasser in Massen. Durch die zahlreichen Zisternen, Kanäle und Wassertunnel wurde Petra nicht nur vor diesen Wassermassen geschützt. Vielmehr machten diese Wasserspeicher damals ein Leben für diese große Zahl an Menschen überhaupt erst möglich. Zu seiner Blütezeit im 2. Jahrhundert vor Christus hatte Petra immerhin rund 30.000 Einwohner.

 

Hier gäbe es noch viel mehr zu erzählen, was aber den Rahmen meiner Homepage sprengen würde. Hier verweise ich gerne etwa auf die Seite „Universes in Universe“ mit einer Vielzahl weiterführender Informationen.

 

 

Nach dieser tollen Besichtigungstour und einem leckeren Mittagessen geht es wieder den elendigen Siq bergauf zur Touristinfo und unserem Hotel (ja ja, in Richtung Schatzhaus ist der Siq ein "Traumpfad" und in die Gegenrichtung der "elende Siq"). Meine Oberschenkel winseln um Gnade! Es ist halt doch ein Unterschied, ob man voller Enthusiasmus in den Siq geht oder sich nach einem langen Tag wieder aus dem Siq herauskämpft.

 

 

 

Massakreur oder doch Masseur?

 

Deshalb geht es nach einer halben Stunde Pause in ein Hammam. Zuletzt war ich vor rund 20 Jahren in einem Hammam. Der Tellak damals war so ein Typ, wie aus einem falschen Film, 200 kg schwer, der damals versucht hat mich zu massakrieren. Oder wie würdest Du das bezeichnen, wenn so einer auf der rumtrampelt und versucht, Dir alle Gliedmaßen rauszudrehen? O.k., o.k., das war sicher nicht sein Ziel, ich fand die Vorgehensweise auf jeden Fall sehr aggressiv. Damals war ich noch jung und brauchte das Geld... oder so ähnlich.

 

Nach dem Aufenthalt im Dampfbad, wo man sich mit einem rauen Handschuh alte Haut abrubbelt,  kommt das Abspritzen mit kaltem Wasser. Danach lege ich mich auf eine warme Marmorplatte, wo der Tellak dann zur Sache kommt. Bei weitem nicht so brutal wie vor 20 Jahren in Istanbul, aber wesentlich „erfrischender“. Erfrischend ist auch der Tee, der uns im Anschluss serviert wird.

 

 

 

Selbst ist der Mann: Learning by doing

 

Wenige Minuten später finde ich mich, bewaffnet mit scharfem Messer, Kochschürze und Kochmütze in einem Lokal wieder beim Zubereiten des Abendessens. Jetzt weiß ich, warum ich ins Hammam sollte. Man wollte nicht, dass der Koch schlapp macht.

 

Wir bereiten ein klassisches jordanisches Gericht zu, ein „Maglubah chicken“. O.k., ganz genau genommen kümmern wir uns nur noch um die „Finalisierung“, das Hühnchen und die Kartoffeln wurden bereits im Vorfeld gekocht. Wie ich erst im Laufe des Kochens merke, bereiten wir vor allem den Salat zu…

 

Geschmeckt hat es auf jeden Fall. Außerdem wissen wir jetzt generell, wie die Zubereitung des Nationalgerichts vonstattengeht.

 

Als Nachtisch gab es noch ein sagenhaftes Om Ali (Brot, Pistazien, Kokosnussflocken, Rosinen, reichlich Zucker, dazu Milch und obendrauf Zimt). Von dem Zeug kann man süchtig werden. Übrigens: Irgendwo lief bei der Übersetzung was falsch: Ursprünglich hieß es nicht "Ali Baba und die 40 Räuber", sondern natürlich "Om Ali und die 40 Nachspeisen"!

 

Ach ja, Brot haben wir auch keines gebacken. Warum nicht? Ganz klar: KAMEL!

(Tipp: fränkisch denken und lesen!)

 

 

Die spinnen, die Nabatäer!

 

Eigentlich komisch, dass die Nabatäer bisher von Asterix und Obelix ignoriert wurden. Na ja, vielleicht ändert sich das ja noch. Bis es so weit ist, ein paar Sätze zu den Nabatäern, den früheren Bewohnern von Petra. 312 vor Christus tauchten sie erstmals aus dem Dunkel der Geschichte auf. Sie profitieren vom Transport begehrter Güter, etwa Weihrauch aus dem heutigen Oman und Jemen sowie Asphalt aus dem Toten Meer. Sie brachten die Produkte von den Produzenten zu den Abnehmern. 312 rückte ein griechisches Heer mit 4.600 Mann gegen die Nabatäer vor, wurde aber vernichtend geschlagen.

 

Petra als Hauptstadt auszubauen, war ein geschickter Schachzug. Nicht nur, dass diese Stadt extrem schwer zu finden war, sie ließ sich auch gut verteidigen. Die Seleukiden wurden wie die Hasmonäer geschlagen. Beide wollten was vom „Kuchen“ abhaben. Die Nabatäer waren aber vor allem Händler und Diplomaten. Irgendwann wurde das Reich von den Römern „geschluckt“. Die Nabatäer kamen viel herum, so ist die Architektur genauso von den Griechen, wie den Römern beeinflusst. 1973 wurde eine byzantinische Kirche entdeckt. Während der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert hatte die Stadt Petra längst ihre Bedeutung verloren, Erdbeben gaben der Stadt den Rest.

 

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