Rund um Eger / Cheb

Eger

Quelle: Google Maps

 

 

Cheb / Eger

459 Meter / 31.920 Einwohner (01.01.21 / 1930: 31.546)

erstmals am 13.02.1061 urkundlich erwähnt

 

Wenn man aus Oberfranken kommt, landet man meist unweigerlich als erstes in Cheb, nach Karlovy Vary der größte Ort in der Region mit seinem Marktplatz. Auf beiden Seiten des langgestreckten Marktplatzes stehen schöne alte Patrizierhäuser. Der untere Teil diente früher als Gemüse-, der obere als Pferdemarkt. Die Pferde und das Gemüse sind den Touristen gewichen.

 

 

Obwohl: So viele sind von dieser Species am letzten Freitag im Mai 2021 gar nicht unterwegs. Das ist ohne Zweifel darauf zurückzuführen, dass bis vor kurzem die Grenze für Touristen dicht und Cheb für Deutsche damit tabu war. Kein Wunder, lag der Inzidenzwert im Februar noch jenseits der 1.100 Fälle je 100.000 Einwohner. Krass! Bei meinem Besuch lag er bei sieben.

 

 

Schön, so habe ich die Stadt quasi für mich alleine. Der Marktplatz wird dominiert vom Rathaus und der Sankt-Nikolaus-Kirche, ein Stück hinter dem Markt. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick auf die schöne Altstadt, die Burg, aber auch die im sozialistischen Stil errichteten Wohnblöcke rund um die Altstadt. Für 20 Kronen bzw. 1,00 Euro kommt man hoch. Die Fenster sind durch Fensterläden verschlossen. Will man etwas sehen, öffnet man erst mal die jeweiligen Fensterläden. Auch mal was anderes.

 

 

In der Kirche selbst treffe ich einen alten Bekannten: Balthasar Neumann, der u.a. auch die Würzburger Residenz, die Wallfahrtskirche in Gößweinstein oder Vierzehnheiligen gestaltet bzw. barockisiert hat. Ursprünglich romanisch, sieht man im 21. Jahrhundert von Barock auch nicht mehr viel, heute ist die Kitrche neugotisch gestaltet. Schön auch die Buntglasfenster.

 

 

In der Kirche selbst treffe ich einen alten Bekannten, Balthasar Neumann, der u.a. auch die Würzburger Residenz, die Wallfahrtskirche in Gößweinstein oder Vierzehnheiligen gestaltet bzw. barockisiert hat. Ursprünglich romanisch, sieht man im 21. Jahrhundert von Barock auch nicht mehr viel, heute ist die Kitrche neugotisch gestaltet. Schön auch die Buntglasfenster.

 

 

Františkovy Lázně / Franzensbad

442 Meter / 5.412 Einwohner (01.01.21)

1793 angelegt

 

Fährt man von Cheb in Richtung Amerika, kommt man vorher nach Františkovy Lázně, dem kleinsten der drei böhmischen Bäder. Das Ortsbild ist schnell erklärt. An der Hauptstraße liegt das Luisenbad, gegenüber das Casino. Dieses Gebäude hat über die Jahrzehnte viele historische Ereignisse gesehen. Unter anderen fand hier die Gründungsveranstaltung von JCI Tschechien (Wirtschaftsjunioren) statt.

 

Kann mich noch bestens erinnern: Ein Kollege hatte sich die falsche Uhrzeit aufgeschrieben. Ich saß am Steuer, von ihm kam die Aufforderung mehr Gas zu geben, obwohl schon wiederholt Autos wegen zu schnellem Fahrens rausgezogen worden waren. Irgendwann hat es mir gereicht und ich bin rechts ran, ausgestiegen und bin zur Beifahrerseite rüber. Ja, der Kollege ist nicht mit 92 km/h über die Straße geschlichen, sondern mit 85 km/h. Oh ja, wir haben einen Haufen Zeit aufgeholt...

 

An der parallel verlaufenden Národní liegen die meisten der schönen Gebäude in der typischen Bäderarchitektur. Was nicht dort in der Gegend liegt, befindet sich in einem der Parks, die das Ortszentrum ringförmig umgeben. Über allem liegt eine sehr entspannte Atmosphäre.

 

Übrigens: Amerika ist ein kleiner Ortsteil im Westen von Franzensbad am Amerikasee gelegen.

 

 

Sauerbrunnen zeichnen die böhmischen Bäder aus. Echt bittere Kost. Sollen aber gesund sein. Das Spektrum reicht von Glauberquellen über Eisenquellen bis hin zum Jungbrunnen.

 

Jungbrunnen? Als Jungbrunnen der Liebe bezeichnet man zumindest die Palliardi-Quelle. Bevor sich jeder ins Auto schwingt und mit Vollgas (als 90 km/h) nach Franzensbad düst: Eine entsprechende Wirkung ist nirgens belegt.

 

Alleine in Franzensbad sind 24 Heilquellen anerkannt.

 

Ostroh / Seeberg

498 Meter / 55 Einwohner (01.01.21 / 1930: 400)

1275 erstmals urkundlich erwähnt

 

Ein schmales Sträßchen führt nach Ostroh und zur dortigen Burg. Für 4 Euro öffnen sich die Türen. Im übertragenen Sinn natürlich. Jedes mal die Tür für einen Besucher zu öffnen, wäre schleißlich viel zu aufwändig.

 

 

Es ist eine kleine Burg. Wie es sich gehört, natürlich mit Folterkeller. Und damit meine ich nicht die Becherovka-Vorräte.

 

Skalna / Wildstein

465 Meter / 2.001 Einwohner (01.01.2021 / 1930: 3.573)

1166 erste Erwähnung der Burg

 

Quasi auf der anderen Straßenseite gelegen, also jenseits der Hauptstraße zwischen Franzensbad und Asch, liegt Wildstein. Schön hergerichtet hinter Kirche und Burg eine Grünanlage mit einem kleinen See in der Mitte, wo sich Kirche und Burg spiegeln. Obwohl, müsste es spiegelverkehrt nicht Burg und Kirche heißen?

 

 

Chlum Svaté Maří / Maria Kulm
539 Meter / 286 Einwohner (01.01.2021)

1341 erstmals urkundlich erwähnt

 

 

Wenn man nicht wüsste, dass sich in Maria Kulm die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt befindet, würde man glatt durchrauschen. Ein solches Bauwerk erwartet man in dieser verschlafenen Ortschaft mit Sicherheit nicht.

 

Das war nicht immer so. Vor dem 2. Weltkrieg lebten hier über 1.800 Einwohner, neun Schumacher und 21 Gasthäuser. Die Einwohnerzahl ist durch Flucht und Vertreibung dramatisch geschrumpft und liegt nun bei knapp 300. Die Zahl der Schuhmacher und Gasthäuser ist seitdem auch marginal geschrumpft. Schuhmacher gibt es keinen mehr, Gasthaus immerhin noch eines.

 

Die Zahl von 21 Gasthäusern macht aber auch deutlcih, dass es sich früher mal um einen wirklich wichtigen Wallfahrtsort gehandelt hat. Wo die Quellen nicht geholfen haben, gab es ja vielleicht Beistand von oben.

 

Sehr schön die Kirche und das benachbarte Kloster, beide an einem kleinen Platz gelegegen, wo über Nacht der Nahverkehrsbus parkt, bevor er am nächsten Morgen in Richtung Franzensbad startet. Mit göttlichem Beistand springt er sicher auch an, der neueste ist er nicht gerade.

 

Sehr schön - und praktisch ausgestorben - ist es hier am späten Nachmittag.

 

Doubrava / Taubrath

41 Einwohner (01.01.21)

1313 erstmals urkundlich erwähnt

 

 

Wohl der kleinste Ort auf meiner Tagestour. Hier stehen nur einige wenige Häuser, aber was für welche! Wunderschöne alte Egerländer Fachwerkhäuser stehen entlang der einzigen Straße. Würde mein Auto nicht am Straßenrand stehen und die Illusion zerstören, würde man sich ins 19. Jahrhundert versetzt fühlen.

 

Das letzte Haus auf der rechten Seite der Straße ist ein alter Wehrhof aus dem 18. Jahrhundert, heute mit Museum und einem schönen kleinen Gasthaus. Hier hat man die Qual der Wahl: Lieber drinnen sitzen im wunderschönen Wirtshaustaum oder doch eher draußen im kleinen Garten.

 

Die Speisekarte ist nicht groß. Ich habe mich für ein paar Elemente entschieden, die hier in keiner Küche fehlen: Eine XXL-große grobe Bratwurst, Sauerkraut und verschiedene Sorten bömischer Knödel. In der Kombi hatte ich das noch nie auf dem Teller, aber einmal ist immer das erste Mal. Und geschmeckt hat es auch...

 

Hrozňatov / Kinsberg

169 Einwohner / 1217 erstmals urkundlich erwähnt

 

 

Nur 4 Kilometer Luftlinie sind es von Taubrath nach Kinsberg, aber doch eine ganz andere Welt. Mit dem Auto ist es doch etwas weiter. Wie es sich gehört, auf schmalen kurvigen Sträßchen. Ich komme genau in dem Moment an, als die Sonne untergeht. Leider ist die Konstellation vor Ort nicht so, dass man die Wallfahrtskirche Maria Loreto und die Sonne so richtig gut auf ein Foto bekommt. Da hätte ich schon in den videogeschützen Innenhof einsteigen müssen. Es gibt Grenzen für ein gutes Foto...

 

Vor dem letzten Weltkrieg sind täglich rund 20.000 Menschen nach Maria Loreto gepilgert, der real existierende Sozialismus verwandelten Pilgerströme zu etwas absolut irrealem. Seit ein paar Jahren kommen wieder Pilger, etwa aus dem benachbartem Waldsassen,