Dessau

Reformation und Aufklärung

 

 

 

Was darf's heute sein? 18. oder 20. Jahrhundert?

 

Irgendwie werde ich das dumpfe Gefühl nicht los, dass die Baustellen zwischen Kulmbach und Berlin seit 30 Jahren die selben sind. Das kann aber nicht sein, oder? Es ist aber wenig los auf der A9, so dass ich zügig nach Dessau komme.

 

Wohin zuerst? Widme ich mich den ersten Jahren das 20. Jahrhunderts (Bauhaus) oder der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als sich die Aufklärung hier an der Elbe zu ihrem Höhepunkt aufschwang?

 

Es ist traumhaft schönes Wetter, also entscheide ich mich, ein paar Kilometer Richtung Osten zu fahren, erst nach Oranienbaum, von dort aus weiter nach Wörlitz und zu guter Letzt noch spontan nach Wittenberg.

 

 

Wie ? Kein Krieg? Statt dessen Parks anlegen?

 

Während andere Könige, Barone, Fürsten oder Grafen ins Militär investierten, um ihre Nachbarn zu überfallen, entschied sich Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau dazu, der Nachwelt etwas anderes zu hinterlassen als Tod und Elend, nämlich wunderschöne Garten- und Schlossanlagen. Noch heute fasziniert die Symbiose aus Gartengestaltung, Architektur und Landschaft den Besucher. Geprägt vom Zeitalter der Aufklärung, gab es schon damals keine Zäune oder sonstige Barrikaden, jeder Untertane durfte die Anlagen besuchen.

 

 

Wie man eine kostspielige und innovative Idee überlebt: Leopold III.

 

Irgendwas hat er richtig gemacht. Entweder seine Idee kam beim Volk sehr gut an, und/oder er ging mit der Kohle sparsam um: Auf jeden Fall erging es ihm besser, als andere Herrscher, die der Menschheit ebenfalls ein faszinierendes Erbe hinterlassen haben: Weder erging es ihm wie dem Großmoguln Shah Jahan, dem Erbauer des Taj Mahal, der von seinem Sohn Aurangzeb ins Verlies geworfen wurde, noch wie Ludwig II., der unter anderem Schloss Neuschwanstein errichten ließ, der für geisteskrank erklärt wurde und unter mysteriösen Umständen starb.

 

 

Gartenträume Sachsen-Anhalt: Oranienbaum

 

Es ist schon enorm: ein Park löst den anderen ab. Der erste auf meiner Liste ist der Park beim Schloss Oranienbaum. Ein kleines Schloss, dahinter ein schöner Park mit einer Pagode, einem chinesischen Teehaus und einer großen Orangerie, wo seit 1811 ununterbrochen Zitrusfrüchte gezogen werden.

 

 

Ufo gelandet?

 

Errichtung von Schloss und Park dürften in dem kleinen Örtchen Nischwitz eingeschlagen haben, wie die Landung eines Raumschiffs. Da blieb wahrlich kein Stein auf dem anderen, auch kein Buchstabe, Aus dem „N“ aus Nischwitz wurde ein „O“, aus dem „i“ ein „r“, aus dem „s“ ein „a“ usw., bis aus Nischwitz Oranienbaum wurde. Mittelpunkt sind die kreisrunde Stadtkirche und der riesige Marktplatz mit dem schmiedeeisernen Orangenbaum.

 

 

Oranienbaum - ein pittoresker Ort

 

Aus dem kleinen Bauerndorf wurde ein faszinierendes Ensemble aus Stadt, Schloss und Park. Der Ort hat einen barocken, geometrischen Grundriss, die Häuser haben aber meistens nur eine Etage, es handelte sich halt doch um Kleinbürger und Bauern. Aber genau das macht den Reiz des heute recht verschlafenen Örtchens aus.

 

Am Marktplatz das gemütliche „Cafe am Markt“, wo ich mir eine leckere Stracciatella-Kirsch-Torte gönne und einen Espresso. Endlich mal einer, der in der richtigen Temperatur serviert wird und nicht so heiß, dass man sich Zunge und Gaumen verbrennt.

 

 

 

Gartenträume Sachsen-Anhalt: Wörlitz

 

Eine andere Hausnummer als Oranienbaum ist Wörlitz. Hatte ich Oranienbaum quasi für mich alleine, ist in Wörlitz mehr los. Das merkt man schon an den Parkplätzen. Kostenlos in Oranienbaum, kostet der in Wörlitz 3 Euro. Dass ich 500 Meter weiter geparkt habe, lag nicht an den 3 Euro, sondern an der Sonne, die erbarmungslos auf den kostenpflichtigen Parkplatz knallt. Man merkt es aber auch an den zahlreichen Gastwirtschaften unweit des Parkeingangs, dass hier schon ein paar Besucher aufschlagen.

 

 

Wittenberg

Zielstrebig bin ich im Büro, hier darf ich spontan sein

 

Auch hier schlendere ich alles andere als zielstrebig durch den Park. Immer, wenn ich etwas interessantes entdecke: Nichts wie hin. Der Park wird gegliedert durch lange, fjordartige Seen, so dass es an zwei Stellen Fähren gibt, die ein paar Kilometer Weg ersparen. Beide betrieben durch ein Seil und eine Kurbel, sind bis 18 Uhr in Betrieb. Kann gut verstehen, dass die Fährfrauen dann auch mal nach Hause wollen. Dem älteren Ehepaar, das mit mir übersetzen will, versteht das nicht so ganz. Es sei doch so schönes Wetter… Na, eben drum!

 

Ganz raffiniert ist das Labyrinth angelegt. Irgendwann wusste nicht nicht mehr, wo vorne und wo hinten ist.

 

 

Wittenberg, da war doch was?

 

Da es gerade mal eine knappe halbe Stunde nach Lutherstadt Wittenberg ist, nehme ich den Ort „auch noch mit“. Eine schöne Altstadt erwartet mich dort, mit der Schlosskirche und der Stadtkirche als Epizentren. Am meisten fasziniert hat mich der Spiegelglobus auf dem Platz vor dem Rathaus und der Stadtkirche. Durch den kreisrunden Spiegel hat man eigentlich immer ein 360 Grad-Panorama vor sich.

Hier sieht man, wie sich dank ein paar Nägeln und etwas Papier der Lauf der Geschichte ändern kann. Am 31. Oktober 1517 soll Luther seine 95 Thesen eigenhändig an die Tür der Schlosskirche genagelt haben.

 

 

Hunger! Hunger! Hunger!

 

Auf der Terrasse der Trattoria Toscana beschließe ich den Tag mit Rigatoni, Filetspitzen, Schwammerl und einer Tomaten-Sahne-Sauce.

 

 

Ab ins Heia!

 

Ich habe mich heute bewusst für ein Hotel außerhalb entschieden, da ich ja noch nicht wusste, wo ich zuerst hin will. Das Creo Hotel Dessau ist ein einfaches Haus in direkter Nachbarschaft zu McDonalds, Burger King und Kaufland, sauber, preiswert und mit 24-Stunden Check-In ohne jegliches Schnickschnack.

 

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