Dilijan

Armenien, 23.07.2018

 

Frage an Radio Eriwan:

Meine Tochter ist schön, aber dumm. Trotzdem wurde sie von ihren Projektleiter zur "verdienten Arbeiterin" vorgeschlagen. Muss ich dagegen etwas tun?


Antwort von Radio Eriwan:

Nein. Überlassen sie das getrost der Frau des Projektleiters.
 

Mehr Radio Eriwan-Witze

 

 

Und noch ein Kloster…

 

Nach dem bisher besten Frühstück geht es noch mal auf die andere Seite des Sees zum Kloster Sevanavank, 291 Stufen hoch über dem See gelegen.  Selten waren 35 Grad so wertvoll wie heute...

 

So schön diese Kirchen und Klöster auch sind, die Abwechslung hält sich in Grenzen, wenn man mal von der Lage absieht, die meist bestechend ist. Eine Kirche aus dem 6. Jahrhundert schaut im Endeffekt genauso aus, wie eine aus dem 18. Jahrhundert. Experten werden das ganz klar dementieren, für einen Laien sind die Unterschiede kaum auszumachen, vor allem architektonisch hat sich da nicht viel weiterentwickelt. Das ist aber andererseits auch nicht wirklich überraschend, hält man sich vor Augen, dass dieser Landstrich Jahrtausende lang unter Fremdherrschaft stand, neue Impulse von außen dürften eher selten gewesen sein.

 

 

„Altstadtbummel“

 

Einige von uns machen anschließend noch eine Bootsfahrt, bevor wir nach Dilijan weiterfahren. Während wir auf die anderen warten, bringe ich für mich und Elena,  ein CCCP-Eis mit. Seit ich das Eis bei der Seilbahnstation vor ein paar Tagen entdeckt hatte, ist dieses bei uns Kult, auch wenn es eigentlich nichts anderes ist als Vanilleeis mit Schokoglasur drüber.

 

In Dilijan schlendern wir durch die Altstadt, die aus genau einer kurzen Straße besteht, die wiederum vor allem aus einem Hotel der der Tufenkian Heritage-Guppe besteht. Hmmm. Irgendwie hatten wir uns etwas mehr erwartet...

 

 

Kunscht

 

Nicht uninteressant ist das Kunstmuseum, zu den Zeiten des real existierenden Sozialismus trafen sich in Dilijan viele Künstler aus der UDSSR. Die älteren Bilder, meist Landschaftsaquarelle, waren nicht so meins, die meisten Bilder aus dem 20. Jahrhundert haben mir dagegen gut gefallen. In dieser Gegend haben schon in der Bronzezeit Menschen gelebt, wurden hier doch etwa Gold und Kupfer abgebaut. Verschiedene Funde aus der Bronzezeit sind im Keller zu sehen.

 

 

Ein Haus weiter lebt ein Künstler, den wir besuchen, er lebt wortwörtlich für die Kunst. Der gesamte Garten ist zugestellt, ebenso die Wohnung, bis auf ein Zimmer, in dem er isst und schläft. Manches recht skurril, vielleicht wäre das aber etwas für den Garten zu Hause.

 

 

Willkommen am Ballermann

 

Unser Hotel liegt weit draußen, zwischen zwei Serpentinen errichtet. Wir übernachten jeweils in Bungalows: zwei Schlafzimmer, jeweils mit Dusche/WC, teilen sich ein riesiges Wohnzimmer mit voll ausgestatteter Küche. In einem der Häuser findet schließlich noch eine Party statt mit alten Gassenhauern, ebenso wie den aktuellen Ballermann-Hits.

 

Vorher mussten wir aber gegen gaaaaanz schlechtes Karma ankämpfen. Zu acht sind wir im Restaurant des Hotels und werden schlicht und ergreifend links liegen gelassen. Keiner der Kellner bequem sich zu uns an den Tisch. Wir wissen nicht, ob wir vielleicht im falschen Moment gelacht haben, ob es eine Aversion gegen alles Fremde ist oder einfach eine unsinnige Angst da ist, die Fremden zu bedienen, weil man ja was falsch machen könnte.

 

Da Zurufe ebenso wenig helfen, wie der Gang in der Küche zu den gelangweilten Köchen, schalten wir nach einer Stunde Wartens die Direktion ein. Leider spricht dort niemand englisch, deutsch oder russisch (!). Immerhin findet sich ein armenischer Gast mit rudimentären Englischkenntnissen. So werden wir doch noch bedient. Da die Speisekarte zweisprachig gehalten ist, läuft auch alles reibungslos. Alleine, die Reihenfolge, in der das Essen gebracht wird, ist nicht nur mir ein Rätsel. Das Lavash, also das Fladenbrot, kam zum Beispiel erst, als wir alle fertig waren. Meine Bratkartoffeln, die sich letztendlich als Pommes entpuppten, kamen eine dreiviertel Stunde vor meinem Fisch…

 

Dass wir am Ende noch ein paar Bier geordert hatten, ohne Glas und zum Mitnehmen, hat das Peronal wahrscheinlich bis heute nicht überwunden.

 

Ganz so ruhig, wie wir uns das erhofft hatten, war es letztendlich doch nicht, gut zwei Stunden lang fuhr oberhalb unserer Bungalows ein Militärkonvoi vorbei. Da das Geräusch aber so monoton war, habe ich es irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen. War nicht der erste Militärkonvoi. Vor allem in den Grenzregionen zu Berg Karabach sind uns schon einige Transporte mit schweren Waffen aufgefallen.