Armenisch-türkisches Gruppenbild: Der Tempel Zwartos (Armenien) mit dem heiligen Berg der Armenier, den Ararat, in der Türkei gelegen. Dass Eiszeit zwischen beiden Ländern herrscht, merkt man daran, dass ein netter Herr aus der Türkei das Fotografieren des Berges von der armenischen Seite aus verboten hat...

 

Tempel, Draft Beer und Lichtshows

Armenien, 18.07.2018

 

Anfrage an Radio Eriwan:

„Gibt es etwas Gemeinsames zwischen Trump und dem Trampeltier?“


Antwort von Radio Eriwan:

„Im Prinzip ja, aber, der IQ vom Trampeltier ist höher!“

 

Mehr Radio Eriwan-Witze.

 

Weltkulturerbe und keiner da

 

Der Tempel Zvartos dürfte zu den am wenigsten überlaufenen Weltkulturerbestätten überhaupt zählen. In der Tat ein Höhepunkt der armenischen Baukunst des 7. Jahrhunderts. Vom Baustil erinnert mich dieses Gebäude etwas an das Pantheon in Rom, halt ohne Dach. Die im 10. Jahrhundert zerstörte Gregorkirche von Zvartoz war der älteste und größte Tetrakonchos im Kaukasus und wurde einige Male nachgeahmt. Und im Hintergrund wieder einmal der Ararat als Tüpfelchen auf dem i.

 

 

Der Ararat: So nah und doch so fern

 

Das mit dem Ararat ist so eine Sache: Heiliger Berg der Armenier, der Ort, wo die Arche Noah gestrandet sein soll, elementarer Bestandteil der kulturellen Identität der Armenier, aber in der Türkei gelegen. Man kann die Landesgrenze genau erkennen. Je nachdem, ob in einem Dorf ein Minarett oder ein Kirchturm zu sehen ist, gehört das Dorf zur Türkei oder aber zu Armenien.

 

Wegen der gemeinsamen Geschichte gibt es keinen Grenzübergang zur Türkei, wegen Berg Karabach keinen nach Aserbeidschan, wegen der schlechten Beziehungen zwischen der früheren Sowjetunion und Iran, gab es in den Jahren nach der Selbständigkeit 1991 ebenfalls keinen Grenzübergang in Richtung Iran. Lediglich über Georgien war damals eine Anreise auf dem Landweg möglich. Inzwischen gibt es recht gute Beziehungen zum Iran, so dass auch eine Einreise über dieses Land möglich ist.

 

Eine Herausforderung war eine Mutter mit ihrer 13- bis 16-jährige Tochter (auf dieses Alter haben wir sie zu sechst geschätzt). Die Tochter posiert vor der Kamera der Mutter, von ihr laufend aufgefordert, mehr Bein zu zeigen, mehr Busen, mehr Po, mehr Zähne oder was auch immer. Auf jeden Fall waren die beiden immer im Weg, es gab nur zwei Möglichkeiten: Bildausschnitt so wählen, dass die Tochter gerade eben nicht mehr im Bild ist oder ins Bild integrieren…

 

Wow! Was für ein Blick...

 

Asyl für Jesus

 

Es heißt, der damalige armenische Herrscher war so begeistert von den Wundertaten Jesu, dass er ihm Asyl angeboten habe. Jesus hätte abgelehnt, da für ihn eine andere Bestimmung vorgesehen sei. Nach armenischer Überlieferung sandte er aber den Apostel Thaddäus, der Salböl mitbrachte. Dieses wird bis heute verwendet, indem jedes Jahr einmal ein Tropfen dieses Salböls mit neuem Salböl vermengt wird.

 

Später soll Thaddäus Apostel Bartholomäus gefolgt sein, beide starben den Märtyrertod. Bereits im Jahr 301 war das Christentum Staatsreligion. Armenien ist damit das älteste christliche Land überhaupt.

 

 

Kirche aus dem 7. Jahrhundert

 

Aus dem Jahr 618 stammt die Kirche St. Hripsime. Nur dank raffinierter Bauelemente konnte diese Kirche in den vergangenen 14 Jahrhunderten zahlreichen Erdbeben widerstehen.

 

 

Ein paar Kilometer weiter die Kathedrale Surb Etschmiadsin, der Sitz des Katholikos aller Armenier, des geistlichen Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche. Mit dem Zölibat geht die armenische Kirche relaxter um, als wir Katholiken. Es gibt Priester mit und solche ohne Zölibat, beides ist möglich. Will man in der Kirchenhierarchie weiter nach oben, geht das allerdings nur mit Zölibat.

 

 

Mittags essen wir in einer Einrichtung, die behinderte Kinder unterstützt und ihnen eine künstlerische Ausbildung bietet. Dort besteht auch die Möglichkeit etwas zu essen, das Essen wird ebenfalls von den Kids serviert.

 

 

No Reservation? I am so sorry, Sir…

 

Die Zeit rast, es ist Zeit fürs Abendessen. Wieder zu dritt, allerdings in einer anderen Konstellation, ziehen wir los in einen Straße hinter dem Platz der Republik. Die beiden Lokale, die uns empfohlen wurden, sind bis auf den letzten Platz besetzt. Und das ist gut so, dadurch sind wir Anoush gelandet: Wunderschöne Terrasse, von der Straße zurückversetzt, mit rund zehn Sorten Craft Beef, einer ambitionierten Küche und mit Maria eine Bedienung, die sich rührend um uns gekümmert hat.

 

Ozapt ist!

 

Es werde Licht!

 

Was Licht ausmacht, weiß jeder, der schon mal "Kronach leuchtet" besucht hat, weiß um die Wirkung von Licht. So ist es auch in Eriwan am Platz der Republik. Tagsüber ein Riesenplatz mit vielen parkenden Autos und mehreren Hauptachsen, die den Platz queren, erfolgt pünktlich um 21 Uhr eine Transformation. Viele Armenier unterhalten sich, trinken einen Cafe, essen eine Wurst, spielende Kinder, Zuckerwattehändler, zu Cafes umgebaute Autos erblicke ich.

 

 

Klassische Musik schallt aus Lautsprechern. Abgestimmt auf die Musik sind die Wasserspiele. Hier steppt der Bär. Kein Wunder, dass so viele Einheimische hier sind: Vergnügen und Atmosphäre zum kleinen Preis. Auch am Abend liegt die Temperatur noch jenseits der 30 Grad, das Wasser erfrischt die Luft spürbar.

 

Hier geht es vorwärts nach Goris

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