Gjiorokastra

Montag, 15.05.23

Individuelles Engagement sichert Bauwerke

 

Der Regen ist weg, die Beleuchtung auch. Auch auch so macht die Altstadt von Gjirokastra was her.

 

 

Das Besondere der Stadt sind die Wehrturmhäuser, weshalb Gjirokastra auch Weltkulturerbestätte ist. Wir besuchen gleich zwei davon. Zunächst das ethnografische Museum, ein schön gestaltetes Museum, das zeigt, wie man früher in solchen Stadthäusern lebte. Hier finden sich aber auch schöne Trachten und andere Artefakte. Man erfährt in dem 2022 neu errichteten Museum außerdem manches über den Diktator Enver Hoxha, der in Gjirokastra auf die Welt gekommen ist.

 

Ich mache noch ein Foto, während die anderen schon raus sind und werde schier wahnsinnig. Egal, eo ich hingehe, ich komme immer wieder an der gleichen Stelle raus und nicht am Ausgang. Ich hatte mir Hogwarts (Harry Potter) ganz anders vorgestellt!

 

 

Im anderen, dem Skenduli-Haus, lebte noch bis in die 1980er Jahre eine Familie, bis sie raus musste. Das Haus wurde inzwischen wieder an die Familie zurückgegeben, sie lebt allerdings nicht mehr dort.

 

 

Der quirlige Patron Nesip Skënduli, aus der neunten Generation der Familie, zeigt uns (und parallel dazu einer italienischen Gruppe) das Gebäude mit unglaublich viel Enthusiasmus – alleine, diesen Mann zu erleben, war schon ein Ereignis. Auf meine Frage, wie der Unterhalt finanziert wird, meint er lapidar: durch die Eintrittsgelder. Deshalb sei er auch etwa ARTE so dankbar, dass diese eine Reportage über das Haus gemacht hatten. Nach meiner Frage und der Antwort des Eigentümers zahlen die meisten von uns mehr als das vorgesehene Eintrittsgeld von rund 3 Euro. Eigentlich erschreckend, dass es für den Erhalt eines derartigen Kulturdenkmals keine öffentlichen Mittel

 

 

Es ist schon faszinierend, dass es in verschiedenen Ländern ähnliche Rahmenbedingungen gibt, so dass solche Wehrturmhäuser im italienischen San Gimignano entstehen, aber auch im italienischen Gjirokastra und sogar im chinesischen Danba (Vergleiche auch MYTHOS SHANGRI LA). Optisch zwar immer ganz anders, aber immer als Schutzvorrichtung und später auch um die eigene Bedeutung herauszustellen.

 

Enver Hoxhas Erbe

 

Eine Sonderstellung nahm Albanien unter Hoxhas Führung ein. Statt das versprochene Arbeiterparadies wurde aus Albanien einer der ärmsten Staaten der Welt. 1990  fand sich Albanien in einer Liga mit den ärmsten der ehemaligen Kolonien Afrikas und Asiens wieder.

 

Als einziger sozialistischer Machthaber Europas schaffte es Albanien, sich während des Kalten Krieges komplett zu isolieren.

 

Erst überwarf er sich mit Tito, um seine Treue zu Stalin zu beweisen. Nach dessen Tod zerstritt er sich dann mit dessen Nachfolgern und näherte sich China an, mit denen er sich aber auch schnell wieder zerstritt. Zum Zeitpunkt von Hoxhas Tod hatte Albanien mit keinem Land der Welt nennenswerte Kontakte.

 

 

Syri i Kaltër: Schau mir in die Augen, Kleines!

Auf dem Weg nach Butrint über verschiedene Pässe mit grandiosem Panorama machen wir noch einen Stopp am „Blauen Auge“ in Syri i Kaltër. Das Wasser sprudelt hier aus einer großen Quelle hervor, ist kristallklar und wirkt nicht zuletzt aufgrund der üppigen Fauna richtig schön blau.

 

 

Butrint: Die spinnen, die Römer!

Am späten Vormittag drehen wir die Uhren noch einmal ein ganzes Stück zurück. Waren wir in Gjirokastra im 17. bis 19. Jahrhundert unterwegs, drehen wir in der Weltkulturerbestätte Butrint die Uhren um bis zu 20.000 Jahre zurück. So lange ist die Ecke zumindest schon besiedelt. Zu sehen bekommen wir vor allem Bauwerke der Griechen und Römer aus der Zeit zwischen dem 6. Jahrhundert vor bis ins 4. Jahrhundert nach Christus.

 

 

Das antike Butrint – es gibt auch noch eine venezianische Festung und eine byzantinische Basilika - erstaunlich gut erhalten. Dazu liegen die verschiedenen Bauwerke romantisch verstreut auf der Halbinsel. Kein Wunder, dass auch Butrint Weltkulturerbestätte ist.

 

 

Llogara-Pass: Es wird windig

Aber auch nach dem Besuch von Butrint geht es auf spektakulärer Stecke weiter, immer die Albanische Riviera entlang Richtung Norden. Irgendwann geht es Serpentine um Serpentine nach oben, bis wir am Llogara-Pass auf 1.043 Metern Höhe im gleichnamigen Nationalpark landen. Heute gab es an einigen spektakulären Stellen Fotostopps, nicht zuletzt, weil sich unser Bus etwas abkühlen musste. Bei einem dieser Stopps bläst der Wind so stark, dass es mich fast von den Beinen haut.

 

 

Das Hotel ist gut gelegen, im Restaurant werden Hausmannskost, Salate und Nudeln kredenzt, aber auch megaleckerer Joghurt mit Honig und Walnüssen.

 

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© Peter Belina