Rheinsberg

21.09.2020

 

Highheels und Segelschuhe

 

Gesagt, getan! Mein Zimmer ist zwar leider nicht mehr frei, dafür arbeite ich mich aber in der Hierarchie nach oben, das neue Zimmer ist deutlich näher am Resort-Zentrum und an der Marina dran.

 

"Wenn ich den See seh, brauche ich kein Meer mehr."

 

Hier kann man sich Boote/ Hausboote leihen und durch die Seen-, Fluss- und Kanallandschaft schippern.

 

Interessant, wer hier so absteigt. Ich habe hier vier Hauptzielgruppen identifiziert:

  • Kategorie A: die Schickeria, gut zu erkennen – zumindest bei den Frauen – an den Highheels, bei den Männern an den extrabreiten SUVs, die auf keinen Parkplatz passen,

  • Kategorie B: die Freizeitkapitäne, gut zu erkennen an den Segelschuhen,

  • Kategorie C: die Familien, gut zu erkennen am besorgten Blick der Helikopter-Eltern, was die Kleinen jetzt schon wieder anstellen

  • und Kategorie D: die Best-Ager, die sich zurücklehnen und sich das ganze Gewusel um sich herum amüsiert reinziehen.

Äh, sch..., bin ich schon Best-Ager?

 

Schiffe versenken

 

Wie schon die ganzen letzten Tage ist es auch heute so schön, dass ich wieder draußen frühstücke. Während ich draußen sitze, schaue ich fasziniert dem Schiffe versenken im XXL-Format zu. Einer von der Kategorie B (zur Erinnerung, das sind die mit den Segelschuhen) versucht, sein Boot am Pier „einzuparken“. Dabei stößt er dauernd vor und zurück und hat die ganze Zeit nur die rechte Seite hinten im Blick. Derweil rammt er mit seiner Spitze mehrfach das Boot zu seiner linken. Hat ganz schöne Beulen gegeben. Der Segelschuhmann ist aber so beschäftigt, dass er die entsetzten Schreie des anderen Segelschuhmanns gar nicht mitbekommt...

 

 

Katastrophe auf der Terrasse

 

Als ich mir das zweite Mal was hole, zwei (kleine) Croissants, einen Cappuccino und einen Orangensaft, vergesse ich, einen Löffel mitzunehmen.

 

Ich gehe also wieder rein, treffe Armin Laschet, der mich fragt, ob mir die Dauerberieselung durch die Musik auch so auf den Sack geht (könnte auch jemand gewesen sein, der Armin Laschet verdammt ähnlich sieht) und bin wieder auf dem Weg nach draußen.

 

Paviane entern mein Auto

 

Schon bevor ich draußen bin, merke ich, dass da was nicht stimmt. Ich habe ein Déjà-vu an den 13. November 2006. Was, um Gottes Willen, hat sich damals ereignet?

 

Pavian-Mänchen enterten in Südafrika meinen Mietwagen.

 

Aus meinem damaligen Reisetagebuch: „Ein Aha-Erlebnis erwartet mich, als ich zu meinem Mietwagen zurückkomme. Im ersten Moment sehe ich ihn gar nicht, weil drei Busse mein Fahrzeug umzingeln. Was zum Teufel...? Weiter komme ich nicht, weil es mir erst einmal die Sprache verschlägt: Ich hatte die Fenster jeweils ca. 2 cm runtergedreht, damit sich das Fahrzeuginnere nicht zu sehr aufheizt. Da hatte ich aber die Rechnung ohne die Paviane gemacht. Auf beiden Seiten hocken Pavianmännchen und stecken ihr bestes Stück in den Schlitz der Fensterscheibe und pinkeln alles voll. Wahrscheinlich aus Frust, weil sie an die anderen Dinge nicht herankommen? Riecht jetzt ganz nett im Auto. Bin gespannt, was der Autovermieter bei der Rückgabe sagt.“

 

 

Finken sind die neuen Paviane

 

Heute sind es keine Paviane, sondern Finken. Auch diesmal bahnte sich die „Katastrophe“ dadurch an, dass zwar keine Busse, aber Menschen um meinen Tisch herumstehen und wie wild fotografieren.

 

Die Vögel hatten die Minute meines Meetings mit Armin Laschet genutzt, um über mein Essen herzufallen. Ein Vogel verbrannte sich gerade seinen Schwanz an meinem Cappucciono. Drei weitere Spatzen saßen auf meinem O-Saft-Glas und prüften die Qualität des Saftes und ein halbes Dutzend Spatzen zerfetzten gerade die beiden Croissants.

 

Ich weiß auch nicht, warum, aber den Rest des Frühstücks habe ich drinnen gegessen...

 

Ob Laschet mit den Spatzen unter einer Decke steckt? Er lenkt ab, sie futtern mein Frühstück weg?

 

Mirow

Und täglich grüßt das Murmeltier

 

Hier ist mir einfach zu viel Action :-D. Zeit für einen Ausflug nach Mirow. Ich fahre in Richtung Norden. Aber um dorthin zu kommen. muss ich erstmal in Richtung Süden, dann in den Westen. Es ist halt eine sehr ländliche Gegend mit vielen Flüssen, Kanälen und Seen.

 

Mein Navi schlägt mir schließlich eine Abkürzung vor. Ich bin unterwegs auf Straßen, wo wahrscheinlich seit 50 oder gar 100 Jahren nichts mehr gemacht wurde, vielleicht auch nichts mehr gemacht werden musste.

 

Diese Strecke erinnert mich an eins Szene aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" mit Bill Murray und Andie McDowell in den Hauptrollen. Bei einem seiner Versuche, den sich immer wieder wiederholenden Tag rumzubringen, provoziert Murray eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei und flüchtet mit einem Pick-Up auf den Bahngleisen.

 

Dieser Teil des Films wurde definitiv hier gedreht. Hier, auf dieser Straße und nicht auf irgendwelchen Gleisen. Gagagagarntiertiert!

 

 

Aussicht pfui – Museum hui!

 

Ich lande in Mirow, Sitz derer vom Mecklenburg-Strelitz, mit seiner Schlossinsel. Als erstes besteige ich den Kirchturm der benachbarten Johanniterkirche, der schönen Aussicht wegen, schließlich liegt das Schloss keine 100 Meter entfernt. Leider stehen da ein paar hohe Bäume im Weg, das Schloss sieht man kaum.

 

So enttäuschend die Aussicht, so faszinierend das kleine Johanniter-Museum auf den verschiedenen Ebenen des Turms. Die Johanniter hatten ja unter anderem die gigantische Festung „Krak des Chevaliers“ errichtet und erhielten 1530 Malta als Lehen, wo sie 1798 von Napoleon vertrieben wurden. Im Großpriorat Deutschland verschaffte sich die „Ballei Brandenburg“ durch verschiedene Verträge eine autonome Stellung. Deshalb auch dies besondere Verbindung zur hiesigen Kirche.

 

 

Zu Besuch bei den „Mirokesen“

 

Als sich der preußische Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich der Große, im Jahr 1736 bei seinen Nachbarn in Mirow aufhielt, kamen ihm die hiesigen Schlossbewohner einfach, ungebildet und urkomisch vor, er verspottete sie als  „Mirokesen“.

 

Heirate mich!

 

Der Adel im  Schloss eiferte den Coburgern nach. Das Herzogtum war politisch unbedeutend und verhielt sich in der Regel neutral. Das machte die zahlreichen – und wohl auch hübschen – Töchter zu attraktiven Gattinnen bedeutsamer Häuser. Charlotte (1744-1818) wurde Königin von England, Luise (1776-1810) Gemahlin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III, Friederike (1778-1841) Königin von Hannover, Jutta (1880-1946) Prinzessin von Montenegro, Caroline (1821-1876) Kronprinzessin von Dänemark. Die Tochter von Luise, Friederike (1798-1860) wurde an der Seite von Nikolaus I. russische Zarin. Ein kleines Museum widmet sich den berühmten Töchtern des Hauses.

 

Gutes Essen

 

Ebenfalls auf der Schlossinsel befindet sich die Alte Schlossbrauerei. Im Angebot gibt es leckeren Fisch und ein naturtrübes Hefeweizen. Die werden doch nicht…? Doch, sie haben Kulmbacher Kapuziner.

 

Zeit für Wellness

 

Zurück in der Marina gehe ich noch in die Wellnessoase, die ich für mich alleine habe. War heute etwas früher essen, da ist es (a) wärmer draußen, (b) hat von von der Terrasse noch einen schönen Blick auf den See und © habe ich darauf spekuliert, dass kurz nach 8 Uhr alle beim Abendessen sind. Hat funktioniert, habe Pool und Sauna für mich alleine.

 

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Tag 13: Von Rheinsberg nach Schwerin

 

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