Mr. President, kommen Sie nach Hiroshima und lernen Sie!
Samstag, 28.03.26
Bevor die Fähren mit Tagesausflüglern wieder über die Seto-Inlandsee rollen, nehmen wir auf Miyajima Abschied von Kirschblüte, Pagode, Kloster Itsukushima-jinja, entspannter Inselruhe (bevor die Touris kommen). Letztes Frühstück, kurzer Stopp bei unserem Lieblingscafé – der Besitzer empfängt uns strahlend, fragt nach dem Abendessen und winkt uns beim Gehen hinterher. Einfach schön, wenn Gastfreundschaft nicht nur eine Floskel ist.
Wir haben die Fähre fast für uns, in der Gegenrichtung sind sie proppenvoll. Klasse, dass wir uns für eine Übernachtung auf der Insel und nicht für einen Tagesausflug entschieden haben. Die gleiche Situation bei der Bahn.
Wir geben unsere Koffer bei der Rezeption unseres Hotels ab und fahren mit einer wunderbar altmodischen Tram in Richtung Friedenspark.
Dort erwartet uns als erstes der Atombombendom, wo bis 1945 die örtliche Industrie- und Handelskammer ihren Sitz hatte. Vom Gebäude ist nur ein Gerippe stehengeblieben, als am 6. August 1945 rund 580 Meter über dem Boden die erste der beiden Atombomben explodierte. Ein Mahnmal für alles, was schiefgehen kann, wenn Vernunft verschwindet (gell, Mr. President?).
Die Friedensgedenkstätte Hiroshima (Genbaku-Kuppel) war das einzige Bauwerk, das den Atombomben- Abwurf überstand. Sie ist ein eindringliches und kraftvolles Symbol für die zerstörerischste Kraft, die die Menschheit je hervorgebracht hat, aber auch Ausdruck der Hoffnung auf Weltfrieden und die endgültige Abschaffung aller Atomwaffen.
Ein Stück weiter im Friedenspark steht die Friedensglocke. Natürlich läuten wir drei sie. Ich fürchte nur, ein paar Glockenschläge werden die Putins und Trumps dieser Welt nicht davon abhalten, immer wieder neue Kriege anzuzetteln.
Den 300.000 Opfern wird beim Kenothapen gedacht, dem nachgebildeten Sattel eines Tonpferdes, im frühgeschichtlichen Japan eine wichtige Grabbeigabe. Wer vor diesem Denkmal steht, dessen Blick wird auf die Friedensflamme und den Atombombendom gelenkt.
Wir überlegen, ob wir auf das Dach eines Hauses im 12. OG hochfahren, verzichten aber angesichts eines Preises von jenseits der zehn Euro dankend. Dass jemand an einer solch bedeutsamen Gedenkstätte – Weltkulturerbe – derart abkassiert, finde ich inakzeptabel.
Weiter geht es zur Karpfenburg, 1589 erbaut. Obwohl die Burg vom Baustil her der von Himeji ähnelt, verströmt sie ein ganz anderes Ambiente. Die Burg ist aktuell geschlossen, drinnen hätte es aber wahrscheinlich eh nicht viel zu sehen gegeben. Auch hier wieder jede Menge blühende Kirschbäume.
Auf dem Weg zum Hotel machen wir noch einen Stop im japanischen Landschaftsgarten Shukkei-en. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Wand vorbei, die auf locker 100 Metern Länge mit Motiven aus dem früheren Alltagsleben bemalt ist.
Im Hotel kommen wir erstmals in unsere Zimmer. Ich habe eine Einzelbelegung, da geht es noch irgendwie mit der Größe. Für meine beiden Mitreisenden, die sich ein Zimmer teilen, ist der Raum zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
„Die Menschheit lernt einfach nichts. [...] Sie erdrosselt sich selbst.“
— Shigematsu Shizuma (Überlebender von Hiroshima)