Gion

Von Schwertern, Fächern und Gebäck

Samstag, 04.04.2026

 

Es war mal wieder Zeit für Regen. Der Frühling gilt in Japan als regenreich – durchschnittlich 10 Regentage im März und 11 im April - so gesehen, können wir uns absolut nicht beklagen.

 

Wohl wissend, dass früh morgens nicht die beste Zeit ist für einen Besuch im alten Viertel Gion mit seinen Kneipen, Restaurants und Geishas, kommen wir trotzdem gleich als erstes her. Zum einen liegt der Stadtteil an der gleichen Bahnlinie und zum anderen wollen wir was frühstücken.

 

 

In Sachen Toiletten sind uns die Japaner übrigens nicht nur wegen Ihrer High-Tech-Toiletten meilenweit voraus, sondern auch deswegen, weil bei öffentlichen Toiletten immer mindestens in einer Kabine ein Babysitz fest in der Wand installiert ist. Überigens nicht nur bei den Damen, sondern auch bei den Herren.

 

 

Die Häuser am Shirakawa Kanal liegen romantisch. Angesichts des Overtourism in Japan allgemein und in Kyoto im Speziellen, kann ich nicht sagen, ob es Abends noch schön ist hier. Vor 16 Jahren war das zumindest noch der Fall. Damals kamen aber gerade einmal 8,6 Millionen ausländische Touristen ins Land, 2025 waren es bereits 32 Millionen. Es hat sich herumgesprochen, dass Japan ein tolles Reiseland ist und dazu wechselkursbedingt vergleichsweise preiswert. Deshalb sind zweifellos auch mehr Japaner im eigenen Land unterwegs, für die ist das Ausland teuer geworden.

 

Apropos Wechselkurs: Als ich Oktober/ November 2010 in Japan war, bekam man für einen Euro gerade mal 112 Yen, im April 2026 dagegen 187 Yen, also zwei Drittel mehr!

 

 

Dieser deutliche Zuwachs an Touristen in Kyoto ist auch der Grund für die XXL-Polizeipräsenz. Wetterbedingt ist heute nicht viel los. Sonst schieben sich aber wahrscheinlich Menschenmassen durch die engen Gässchen.

 

 

Wir streunen kreuz und quer durch das Viertel. An jeder Straßenkreuzung stehen Polizisten, deren Job es ist, sicherzustellen, dass die Einwohner trotz der ganzen Touristen zu ihren Häusern kommen. Heute ist wenig los – dem Regen sei Dank.

 

Vorhin waren wir offenbar in der falschen Ecke. Wir versuchen unser Glück ein zweites Mal. Diesmal waren Kaffee und Essen wieder so lecker, wie wir es die letzten Wochen gewohnt werden.

 

 

Dann stehe ich vor einem Fachgeschäft für Schwerter namens Tozando. Für einen Freund bin ich auf der Suche nach einem bestimmten Geschenk. Also rein. Der Laden hat was, vor allem sind die Verkäufer total cool. Da hängen Schwerter an der Wand irgendwo zwischen 50 und 10.000 Euro rum, ein paar Samurairüstungen gibt’s auch noch. Und das gesuchte Geschenk finde ich auch.

 

 

Aber auch andere Geschäfte, solche die wunderschöne Fächer anbieten oder leckere Süßwaren, befinden sich hier. Wir schauen uns um und probieren aus.

 

 

Den Maruyamacho-Park haben sie seit meinem letzten Besuch schön hergerichtet. Im Regen erkenne ich die Tempel oberhalb fast gar nicht mehr. Der Rinkacho-Tempel macht aber auch bei schlechtem Wetter schwer was her. Und außer uns ist kaum einer da...

 

 

Zurück in unserer Wohnung überlegen wir, wohin wir zum Essen gehen. Lust auf die Innenstadt hat keiner von uns. Also schauen wir mal bei Google Maps, wo da was ist. Von unserer Wohnung zur Uni ist es ein Katzensprung. Da ist auch eine Aggregation von Restaurants zu entdecken – das müsste die Ecke sein, die uns Feby, unser Hauself, empfohlen hatte. Die ersten sind entweder voll, zu, turnen uns ab, bieten nur Essen zum Mitnehmen an oder sind Teil einer Spielhölle.

 

Unweit unserer Wohnung die Uni von Kyoto

 

Und dann geschah es. Wir finden die Empfehlung von Feby. Die Kneipe "Hi-lite". Da können wir lange nach "Highlight" suchen!!! Genau das, wonach wir gesucht haben: Echt ordentliche Portionen und toller Geschmack – und das Ganze für ein Appel und ein Ei. Wir können unser Glück gar nicht fassen, dass wir die Kneipe doch noch gefunden haben.

 

„Ein blindes Schwert bringt nur Unglück.“

-– Ein Sprichwort, das davor warnt, Waffen (oder Macht) ohne klaren Verstand und moralischen Kompass einzusetzen.

 

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