Tokyo

 

Das gibt’s doch nicht!!!

Sonntag, 12.04.2026

 

Unglaublich, wir waren mehr als drei Wochen unterwegs, unsere Reise geht zu Ende. Unser letztes Hotel ist etwas teurer als die anderen, aber dafür direkt am Flughafen. Komfortabler gehts nicht. Denkste!

 

 

Denkste? Als wir in den Zug steigen, bekommen wir alle drei eine E-Mail, dass unser Flug ausfällt. Nicht schon wieder!!! Grund ist diesmal der Pilotenstreik bei der Lufthansa. Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir dem gerade noch entkommen. Denkste! Während die beiden anderen irgendwann die Info bekommen, dass sie einen Tag später fliegen, also am 14.04., warte ich und warte und warte. Stunden später kommt die erlösende Mail. Ich fliege am 13.04. spätabends (statt am Morgen), aber nicht vom Flughafen Haneda, sondern von Narita, am anderen Ende der Welt! Die letzte Übernachtung war so toll geplant, es sind vom Zimmer nur ein paar Meter zur Departure-Hall. Alleine, ich habe nichts davon.

 

 

Wir machen noch einen Ausflug per Monorail (noch können wir die kostenlos nutzen) nach Shinbashi, um dort noch mal die Aussicht von einem Wolkenkratzer zu genießen, vom Shiodome Oberservation Desk in der 46. Etage des gleichnamigen Skyskrapers. Der Ausblick war schön, aber doch etwas enttäuschend, weil man nur durch ein Fenster in eine Richtung schauen konnte. Kaffee und Gebäck bei einer bekannten internationalen Cafékette waren mit sehr viel gutem Willen gerade so genießbar.

 

 

Wir wurden entschädigt durch die tolle Architektur der Skyscraper, der Big Clock und vor allem dem die Hama Rikyu Gardens.

 

 

Hama Rikyu: Diese einst der Kaiserfamilie vorbehaltenen Gärten sind seit 1946 öffentlich zugänglich. Bereits im 17. Jahrhundert entstanden erste Teile des Parks. Der zentrale Teich der Gärten, der Shioiri-no-ike, ist ein Gezeitenteich – gefüllt mit Salzwasser aus der Bucht von Tokyo.

 

 

Wir essen am Flughafen bei der meines Erachtens besten Hamburger-Kette der Welt (MOS Burger). Da können sich die beiden Hamburgerketten, die wir aus Deutschland kennen, ihre Teile echt sonst wohin stecken! Wir schauen dann noch von der Panoramaplattform den Flugzeugen beim Starten und Landen zu. Wehmut liegt in der Luft!

 

Unsere Hotellobby

 

Eigentlich wollte ich noch ins hoteleigene Onsen. Bei einem Blick in die Infos, die im Zimmer ausliegen, verzichte ich dankend: Das Onsen ist nicht includiert und kostet so viel wie 3 bis 4 Abendessen.

 

"In Tokio ist es leicht, sich zu verlieren – und ebenso leicht, sich selbst zu finden."

 

Punktlandung: 11 Yen habe ich auf meiner Suica-Karte noch übrig. Bin keinen Meter zu weit gefahren.

 

Bye bye Japan!

Montag, 13.04.2026

 

Wir hatten uns zum gemeinsamen Frühstück verabredet. War gar nicht so einfach, sich in dem Riesenhotel wiederzufinden. Grund: Von der Rezeption aus geht in jeder Ecke mehrere Lifte zu einem Hotelflügel. Das Zimmer von Daniela und Susanne liegt in einem anderen Trakt als meines.

 

Wir verabreden uns zu einer letzten Tour. Als ich beim Kofferpacken darüber nachdenke, dass ich am späten Nachmittag noch eine Zweistundentour mit der S-Bahn vor mir habe und dann einen langen Flug mit Umsteigen, wo ich wohl wie fast immer nicht schlafen kann und entdecke, dass ich den Aufenthalt im Zimmer gegen einen überschaubaren Obolus verlängern kann, switche ich spontan um. Der Abschied steht dann deutlich früher an, als gedacht.

 

 

Kurz nach 17 Uhr steige ich in den Zug, der mich ohne Umsteigen nach Narita bringt. Beim Einstieg ist er schon gut gefüllt, irgendwann wird er so voll, dass man Angst haben muss, dass er platzt. So ist das halt in den Commuter Trains zur Rush Hour. Irgendwann kommen wir zu einer Station, wo 95% der Passagiere aussteigen. Halleluja!

 

Beim Flughafen gibt es einen Nord- und einen Südflügel. Erst nach einigen Irrungen und Wirrungen erfahre ich, wo ich hin muss. Die Schlange ist lang und zäh, aber irgendwann bin ich eingecheckt und meinen Koffer losgeworden.

 

Ich fliege mit der polnischen LOT via Warschau nach München.

 

Wo ist die Rolltreppe, wo der Lift? Sieht man immer vor dem Aussteigen aus dem Zug.

 

Es ist 20 Uhr, ich bekomme in einem der vielen Restaurants gerade noch was zu essen. Mein Flug startet erst kurz vor Mitternacht. Glücklicherweise finde ich zwischen all den geschlossenen Geschäften und Restaurants noch einen 7 Eleven, wo ich mich mit Getränken und Sandwiches eindecke. Preis? Genau derselbe, wie draußen in den Städten und Dörfern! Das ist Japan!

 

Nachdem mich die Dame beim Einchecken geschockt hat, dass ich nicht am Gang sitze, stelle ich beim Betreten des Flugzeuges fest, dass ich sehr wohl am Gang sitze. Bei der LOT hat man vergleichsweise viel Beinfreiheit, das Essen ist gut, aber dafür gibt es keine Kopfhörer. Ist egal, weil ich – für mich absolut ungewohnt – immer wieder mal ein paar Stündchen schlafe. Nur ein paarmal unterbrochen von meiner Sitznachbarin, die eine schwache Blase hat.

 

„Opfer müssen gebracht werden." (Ich beziehe das mal auf's Fliegen.)

—Otto Lilienthal

 

 

Von München nach Kulmbach ist es ein Katzensprung

Dienstag, 14.04.26

 

Ich komme relativ relaxed in Warschau an. Dort klappt alles reibungslos. Erst in München geht gar nichts mehr. Beim MVV wird gestreikt, die S-Bahn kann wegen irgendwelcher Schäden nicht fahren. Also versuchen die paar Tausend Passagiere einen Bus zu finden, der sie wegbringt. Egal wohin, Hauptsache weg! Mein Bus fährt ganz woanders los, als er losfahren sollte – das hatte ich glücklicherweise vorher herausbekommen.

 

In Freising darf ich rund 90 Minuten auf meinen Zug warten. In der Buchhandlung am Bahnhof kaufe ich ein Buch und unterhalte mich mit der Inhaberin. Im gut sortierten Café gibt’s was zu essen und zu trinken,

 

Der RE 23 ist die beste Option: Ohne Umsteigen bis Hof und dann ohne Umsteigen weiter nach Kulmbach. So der Plan. Die Realität ist eine ganz andere. Der Zug nach Hof hat 40 Minuten Verspätung. Ja Peter, wir sind halt nicht mehr in Japan, gell?

 

Ich verpasse meinen Anschluss nach Kulmbach. Ich habe die Alternative: endlos warten (ca. 90 Minuten) oder umsteigen in Neuenmarkt/ Wirsberg (ca. 30 Minuten). Ich nehme Variante 2, verpasse dort aber meinen Zug nach Kulmbach. Taxi ist natürlich keines da – eines zu reservieren oder Freunde anzurufen, dass sie mich abholen, hat sich bei der Wahnsinns-Zuverlässigkeit der Bahn selbstredend verboten. Während ich noch überlege, wen ich anrufe, sehe ich einen Stadtbus in den Busbahnhof einfahren. Ein Blick aufs Smartphone zeigt, dass der Bus, der keine 100 Meter von meiner Wohnung entfernt hält, in 5 Minuten abfährt.

 

35 Stunden hat es gedauert vom Flughafenhotel in Tokyo bis vor die Haustür in Kulmbach, 19 bis 20 Stunden wären es ohne Streik usw. gewesen…

 

An der russischen Halbinsel Kamtschatka entlang und über Grönland geht es nach Warschau.

 

Sieht man mal von der chaotischen An- und Abreise ab, war der Trip nach Japan einfach fantastisch. Ich liebe dieses Land, seine Städte und Bauwerke, seine Natur, seine Onsen-Kultur, seine zuverlässigen Züge und vor allem seine unglaublich freundlichen Menschen. Ich habe es keine Sekunde bereut, nach 2010 ein zweites Mal nach Japan zu reisen, trotz der langen Anreise. Selbst der Direktflug dauert über 14 Stunden.

 

Inzwischen hat sich (leider) herumgesprochen, wes für ein tolles Reiseland Japan ist. Die Zahl der ausländischen Touristen explodierte von 8,6 Millionen 2010 auf 42,7 Millionen 2025. Und das merkt man – gerade in Kyoto, auf der Insel Miyajima, am Fuji und vor allem bei der Chureito Pagode.

 

Hinzu kommt natürlich der (nicht nur) für Europäer sehr günstige Wechselkurs. Habe ich im November 2010 für einen Euro rund 110 Yen bekommen, waren es im April 2024 rund 187 Yen. Entsprechend preiswert sind Übernachtungen, Essen und sonstige Ausgaben.

 

"Wenn Japan ein Rätsel ist, dan ist Tokyo das Herz dieses Rätsels. Sein Rhythmus und sein Wesend sind so absolut betörend, dass man sie einfach erkunden muss. Es besitzt eine Tiefe, die Reisende in einen ständigen Zustand der Entzückung und des puren Rausches hält."

---Michael Ryan, US-Reiseschriftsteller

 

Lust auf noch mehr Japan?

Hier geht es zu meiner ersten Japan-Reise, damals im November. Laubfärbung ist angesagt!

Meinen Koffer erkennt man von weitem. Ja, er ist auch in München angekommen!
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