Zeitreise in die Edo-Zeit
Montag, 06.04.26
Es klart auf. Die Sonne kommt raus.
Als erstes besichtigen wir ein Verwaltungsgebäude aus der Edo-Zeit, das letzte von ehemals 90 in ganz Japan. Bis 1969 war es als Bezirksverwaltung in Nutzung. Dort wurden Steuern berechnet und eingenommen, deshalb gibt es auch großes Warenlager für Reissäcke (jew. 60 kg). Ich gehe davon aus, dass diese Nutzung 1969 keine Rolle mehr spielte.
Spannend die Ausstellung über Steuerproteste und Bauernaufstände. Die Japaner wirken heute so höflich. Wenn’s ans Eingemachte ging– in diesem Fall oft wortwörtlich ums letzte Reiskorn - floss auch schon mal Blut
Nachdem wir den ersten Yatai, einen dieser prachtvollen Festwagen, bereits gestern auf der Straße gesehen haben, wollen wir mehr über sie erfahren. Gut, dass es ein Museum gibt, das Takayana Jinya, wo einige der Wagen besichtigt werden können. Die Yatai sind zwischen sieben und acht Meter hoch und wiegen etwa 2,5 Tonnen. Es gibt 23 Stück, 12 kommen beim Frühlingsfest am 21 und 22. April zum Einsatz, die anderen 11 beim Herbstfest (9. und 10. Oktober). Diese Festivals sind bei der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe gelistet.
Rund 20 Personen ziehen jeden Wagen. Da die Yatai über keine Lenkung verfügen, kommen an jeder Kreuzung noch etliche Personen dazu. Sie bocken den tonnenschweren Wagen mittels eines hölzernen Hebels und eines zentralen Zusatzrades auf, um ihn auf der Stelle in die richtige Richtung zu drehen. Dazu kommen noch zahlreiche Personen in traditionellen Kostümen dazu, die den Wagen nebenbei gegen Beschädigungen beschützen. Die ältesten Yatai stammen übrigens aus dem 17. Jahrhundert. Das absolute Highlight auf drei der Wagen sind die mechanischen Puppen. Für deren Bedienung braucht es weitere vier bis neun Personen.
Mit dem Bus fahren wir raus zum Hida Folk Village. Dort hat man um einen malerischen Teich herum verschiedene traditionelle Häuser aus der Umgebung angesiedelt. Diese 100 bis 500 Jahre alten Häuser wurden 1971 hierher verlegt, um sie vor den Verfall zu schützen.
Während man im Ortszentrum von Takayama meist gar nicht merkt, dass man sich in den Japanischen Alpen befindet, hat von von hier Blick auf etliche der 3000er in der Umgebung.
Die Japanischen Alpen sind für ihre enormen Schneefälle bekannt. Ursache sind die Winde aus Sibirien. Die Luftmassen saugen sie sich über dem relativ warmen Japanischen Meer mit Feuchtigkeit voll, prallen auf die 3000er der Japanischen Alpen. Die Luft steigt auf, kühlt ab und entlädt sich in Form von gewaltigen, unaufhörlichen Schneefällen. Schneehöhen von 4 bis 6 Metern sind relativ normal, 5 bis 20 Meter kommen aber auch vor. Apropos 3.000er: 14 Stück davon gibt es in Japan.
Deshalb haben diese alten Häuser extrem steile Dächer, deren Form an zum Gebet gefaltete Hände erinnert. Dazu kommen auch Ausgänge in der oberen Etage.
Zurück im Ort, beschließen wir, die Hüften zu fordern. Bereits gestern haben wir ein Lokal ausfindig gemacht, wo jede Portion 400 Gramm Wagyu-Rind umfasst. Das hat sich rumgesprochen, wir sind nicht die einzigen, die zuschlagen wollen. Wir bekommen eine Nummer und eine Speisekarte. Es ist ein lustiges Volk, dass da draußen wartet. 400 Gramm, dazu noch Salat und Pommes – oh ja, das ist eine Hausnummer.
Nach dem Essen brauchen wir dringend einen Verdauungsspaziergang. Wieso denn nur? Das war auch deswegen eine gute Idee, da wir so noch mal in die Altstadt kommen, die wir fast für uns alleine haben. Die blühenden Kirschbäume an der Promenade werden illuminiert. Einfach nur wunderschön!
„Bauern sind Menschen ohne Verstand. Sie müssen im alltäglichen
Leben streng überwacht werden. [...] Sie dürfen keinen Tabak rauchen, keinen Reis essen, den sie selbst anbauen [sondern nur Hirse oder minderes Getreide], und müssen sich in Geduld
üben.“
–- Aus
dem Keian-Gofukucho (Regierungsverordnung für den Bauernstand)