Es gibt ihn tatsächlich! Wen? Den Fuji natürlich!
Donnerstag, 09.04.2026
Heute haben wir wieder eine längere Bahnstrecke vor uns. Es geht einmal quer über die Hauptinsel Honshu, mitten durch die Japanischen Alpen über Nagano (Winterolymiade 1998) nach Tokyo (Sommerolympiade 1964 und 2021), wo wir in einen Regionalexpress umsteigen nach Kawaguchiko, unweit des Fuji.
Kurz vor Kawaguchiko taucht der Fuji im Fenster auf wie eine Süßigkeit im Adventskalender – plötzlich da, blendend und riesig. Je näher wir dem Fuji kommen, desto lauter werden die "Aaahs" und "Ooohs" im Abteil. An einem Bahnhof kurz vor unserem Ziel, wird unser Zug von Tagesausflüglern geentert. Ein Feeling wie in der Rushhour von Kyoto.
Dieses Gefühl setzt sich am Bahnhof von Kawaguchiko fort. Unsere Idee war es, ein Taxi zu nehmen. Nach einer Minute hat sich die verflüchtigt. Bis die Schlange abgearbeitet ist, müssten wir uns schon wieder für die Rückfahrt anstellen.
Wo geht in diesem Chaos unser Bus weg? Im Tourist-Office erfährt Daniela mehr, vor allem auch, dass es zwei Arten von Bussen gibt, die teuren Sightseeing-Busse und die "normalen" Busse. Ich mache mich auf die Suche nach der Abfahrtsstelle. Die finde ich schließlich irgendwann in dem Chaos. Es gibt nur einen Haken: Der Bus kommt nicht. Mit 40 Minuten Verspätung trudelt er ein. Während der Fahrt und als wir uns den Busfahrplan näher anschauen, wird uns klar warum. Im Fahrplan sind nur die wichtigsten Stationen eingezeichnet. Tatsächlich klappert der Bus locker 100 Haltestellen ab und hat keinen Puffer zwischen den Runden. Im Laufe des Tages kumulieren sich die Verspätungen locker mal zu einer oder zwei Stunden. Auch das ist Japan!
Wir steigen unweit eines Museums aus und gehen über einem Feldweg in Richtung Tankstelle, unserer Wohnstatt für die kommenden Tage. Nein, nein, wir wohnen nicht in der Tankstelle. Nein, wir wohnen nicht im 7 Eleven. Nein, wir wohnen nicht in der Laundry. Ja wir wohnen im vierten Gebäude des kleinen Weilers, im Cottage Harvest Tree.
Da gibt es eine Blockhütte und zwei Wohnwagen. Ich habe die Blockhütte gebucht, die theoretisch Platz für neun Personen bietet. Der Mann, der uns alles zeigt, ist total freundlich und hilfsbereit. Aber wir stehen etwas unter Schock. Das bei einer Buchungsplattform als „Villa“ angebotene Cottage ist winzig und besteht eigentlich nur aus einem Zimmer. Vom Wohnzimmer geht eine steile Treppe hoch unters Dach, wo es zwei Schlafhöhlen gibt, die vielleicht 80-90 Zentimeter hoch sind. Eine weitere Treppe geht vom Badezimmer hoch in eine weitere Schlafhöhle. Wo bitte sollen die 80 Quadratmeter sein?!?!?! Selbst wenn ich die drei Schlafhöhlen unterm Dach mitrechne, komme ich auch bei vielem Wohlwollen nicht auf diese Quadratmeterzahl. Wahrscheinlich sind die Terrasse und unser kleines „Onsen“ mitgerechnet. Immerhin ist dort im Freien unser zweites Bad. Wie kann es sein, dass diese Unterkunft bei booking.com auf eine Durchschnittsbewertung von 9,8 bei maximal 10 möglichen Punkten kommt? Und wo sollen die 14 Personen schlafen???
Wir beschließen, erst mal zum See zu gehen. Von dort haben wir einen tollen Blick auf den Fuji. Das Wetter ist diesig, aber immerhin! Wie es sich für Japan gehört, wachsen am gesamten Nordufer Kawaguchi-Sees Kirschbäume, die auch hier wieder voll blühen.
Zurück in der Unterkunft lesen wir mal die ganzen Bewertungen zur Unterkunft und lachen, bis uns die Tränen kommen.
Zum Essen finden wir ein schönes Lokal mit echt gutem Essen.
„Wer den Fuji einmal besteigt, ist ein weiser Mann; wer ihn zweimal besteigt, ist ein Narr.“
-– Japanisches Sprichwort