Wer hat den Fuji geklaut?
Freitag, 10.04.26
Die Wettervorhersage war leider – wie immer in den vergangenen drei Wochen – brutal ehrlich und korrekt. Es regnet.
Also suchen wir uns erst mal was zum Frühstücken. Auch hier haben wir das Problem, erst mal was zu finden. Wir sind zwar in einer Ecke, die von Touris überrannt wird. Die Infrastruktur liegt aber zu 90% auf der anderen Seite des Sees. Schließlich landen wir in einer Bäckerei mit tollen Torten und dazu Kaffee, so viel man will. Man kann allerdings nur draußen im Regen sitzen (unter Schirmen). Meine beiden Mitreisenden stehen nicht so auf Torten, also suchen wir als kleines add on gleich noch nach was Leckerem für ein frühes Mittagessen. Irgendwie hab ich auch schon wieder Hunger...
Das nehmen wir in einer hawaiianisch angehauchten Kneipe ein, einer Mischung aus Café und Shop. Das Essen war eigentlich nichts Besonderes, aber ideenreich und sehr gut abgeschmeckt. Und die Atmosphäre war auch toll. Hier kann man dem schlechten Wetter gut ein Schnippchen schlagen.
Das kann man auch im Museum. Eigentlich wollten wir nur rein, um mal wegen ein paar Andenken zu schauen. Beim Kawaguchiko Musik Forest Museum kommt man aber nur an die Andenken, wenn man erst mal ordentlich löhnt. Der Eintritt liegt bei rund 10 Euro (allerdings mit Führung). Wenn man in den wunderschönen Garten kann, sicher sein Geld wert, aber bei dem Wetter?
Ganz anders beim Museum of Art. Da ist der Shop vor der Kasse. Wir sind im Kaufrausch. Das Schöne: Als Tourist bekommt man die Mehrwertsteuer erstattet und zwar gleich beim Kauf. Das gilt bereits ab 5.000 Yen (ca. 27 Euro). Leider wird dieses System im November 2026 abgeschafft, danach erfolgt die Rückerstattung erst am Flughafen.
Das Wetter ist immer noch zum Mäusemelken, also statten wir dem Museum einen Besuch ab. Das Kunstmuseum widmet sich dem Fuji als zentralem Element. Wunderschöne Gemälde vom Fuji, aber auch erstklassige Fotografien. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Das Beste, was man bei dem Wasser machen kann: Ein Bad im hauseigenen Onsen zu nehmen. Ist eigentlich nichts anderes als ein großer Holzbottich, allerdings mit dem Vorteil, dass ich meine Beine fast ausstrecken kann und die Knie auch komplett unter Wasser sind.
Wir brauchen erst mal was zu essen (Doch!). Gar nicht so einfach. Es ist Hochsaison, trotzdem haben viele Lokale zu. Die anderen sind hoffnungslos überfüllt. Aber wir haben mehr Glück als Verstand. Von einer deutschen Familie erfahren wir, dass die schneller als geplant mit dem Essen fertig geworden sind und wir immerhin Außenseiterchancen haben. Eine 6er Gruppe steht vor der Tür des Restaurants. Wir fragen die Wirtin, wie es ausschaut. Wir haben Glück. Eine andere Dreiergruppe hat es sich anders überlegt, steht nicht mehr an. Für sechs Personen ist kein Platz. Eine bebilderte Speisekarte führt uns durchs Programm. Das Essen ist wieder einmal fantastisch!
Die Eigentümerfamilie spricht praktisch kein Englisch, ist aber bestens organisiert. Es gibt eine bebilderte Speisekarte mit Nummern. Wir bekommen einen Block, auf dem alle Gerichte Zeile für Zeile gelistet sind, jeweils auf Englisch und Japanisch (und der Nummer). Dahinter drei Spalten. Wir sollen einfach bei den Gerichten, die wir wollen, die Anzahl dazuschreiben. Anfangs ist uns noch nicht ganz klar, wozu die zweite und die dritte Spalte dienen. Das wird uns klar, als wir die Größe der Gerichte sehen – bei dem Preis (1 bis 3 Euro pro Gericht) nicht wirklich überraschend. Also essen bzw. trinken wir drei Runden. Eine Runde besser als die andere! Zu den Garnelen bekomme ich ein eingeschweißtes Blatt Papier mit dem Hinweis, dass man die Teile unbedingt schälen muss. Da gab es wohl mal Probleme...
Schade, dass die für morgen ausgebucht sind.
„Der Fuji schläft, aber seine Präsenz wacht über ganz Japan.“
–- Akira Kurosawa (Filmregisseur)