Kanazawa

 

Ich werfe einen Blick auf den Swimmingpool

Mittwoch, 08.04.2026

 

Auch heute wieder strahlender Sonnenschein. Wir laufen zum Kenroku-en Garden, einem der drei schönsten Gärten Japans. Oh ja, was für ein Garten! Wunderschöne moosbewachsene Bäume, tolle Teiche, schöne alte Bauwerke und natürlich ... blühende Kirschbäume.

 

 

Mit 320 Yen ist der Eintrittspreis eh nicht hoch (183 Y= 1 €). Wegen der Kirschblüte ist der Eintritt diese Woche sogar kostenlos. In Europa gäbe es wahrscheinlich einen Kirschblüten-Aufschlag von 100% und in den USA kämen wohl 500% obendrauf. Unter Donald Trump außerdem eine Selfiegebühr.

 

 

Wir verbringen die eine oder andere Stunde in diesem Park. Danach trennen sich unsere Wege. Die beiden anderen wollen ans Meer, ich will ins Museum des 21. Jahrhunderts und in ein anderes Altstadtviertel.

 

 

Beim benachbarten Schrein mit ein paar schönen hintereinanderstehenden Torii wird kostenlos Alkohol ausgeschenkt.

 

 

Die im Museum ausgestellten Objekte sind – aus meiner Sicht – teilweise genial, teilweise zum Schmunzeln, zum Teil sind sie (Peter, nicht um den heißen Preis rumreden!) lachhaft.

 

 

Ein Teil des Museums ist kostenfrei, verschiedene Kunstwerke stehen auch draußen. Für die Sonderausstellungen drinnen wird ein Obulus fällig. Beim „Swimmingpool“ des argentinischen Künstlers Leandro Erlich kommt noch eine Reservierung dazu. Eine solche nehme ich auch gleich vor. Ich habe ein Ticket für 12:39 Uhr. Bin da zunächst etwas orientierungslos. 12:39? Muß ich dazu zum Gleis 9 3/4? Erst als ich unten bin im Pool unter der Wasseroberfläche, wird mir manches klar. Immer nur einige wenige Personen erhalten Zugang in den Pool, die Eingangstür liegt drei Meter unter der Wasseroberfläche. Wir betreten das Becken auf dem Boden laufend. Oberhalb der Wasseroberfläche sehen wir Menschen, die von oben reinschauen.

 

 

Natürlich sind wir nicht wirklich im Wasser, aber durch optische Effekte wirkt es so, als würden wir tauchen und nach oben schauen. Umgekehrt wirkt es für die Außenstehenden so, als würden wir tauchen. Einige der anderen Besucher sind in Ekstase. Ich denke mir bloß, ich hätte mehr vom kostenlosen Alkohol zu mir nehmen sollen.

 

 

Nach so viel moderner Kunst beschließe ich, ein anderes Altstadtviertel zu erkunden. Auf dem Weg dorthin mache ich einen Zwischenstop im Café Frere. Auch wieder ein aus der Zeit gefallener Laden.

 

 

So gestärkt, komme ich wenige Minuten später im Higashi Chaya District an. Absolut kein Vergleich zu gestern. Schöne Häuserzeilen, alte Teehäuser, spannende Andenkenläden…

 

 

Viele Geschäfte bieten Blattgold an, mit einer besonderen Technik bis auf 1/1000 Millimeter dünn geklopft. Da kann man sich auch für ein paar wenige Euro Goldstaub kaufen, das man dann über Torten, Eis, Kaffee usw. streuen kann. Am Fluss wieder eine Vielzahl von Kirschbäumen und eine schöne Brücke. Am Ortsrand auch hier wieder eine größere Zahl von Tempeln und Schreinen.

 

 

Um 18 Uhr sind wir verabredet, ich habe eine viertel Stunde Verspätung. Mit dem Bus der Loop-LIne war ich letztendlich auch nicht viel schneller als zu Fuß. Die anderen hatten auch schon angefragt, ob wir unser Essen auf 18:30 verschieben wollen. Passt!

 

 

Wir versuchen unser Glück in einer Gasse im benachbarten Altstadtviertel, dem Nagamachi Samurai District, nur fünf Minuten vom Hotel entfernt. Ein Lokal schaut gut aus, da stehen die Leute aber bereits Schlange. Da alle Restaurants nur japanische Speisekarten haben und kaum eines Bilder oder Modelle, versuchen wir unser Glück bei einem sympathisch eingerichteten Lokal.

 

 

Nachdem man uns auf unsere Frage versichert, dass es auch ein „English menue“ gibt, bleiben wir. Es gab sogar eine „Deutsche Speisekarte“ - Übersetzungsprogramme machen es möglich. Alles wird digital bestellt und übermittelt. Wir bekommen feinste chinesisch- deutsch– japanische Fusionsküche serviert, Erst gibt es Dumplings mit Krabbe, danach einen Rinderbraten, der auf der Zunge zergeht. Die Soße erinnert ein wenig an die von Gulasch. Schade, dass wir den Laden nicht schon gestern gefunden haben, da wäre ich auch gerne zweimal rein.

 

 

Japan wäre nicht Japan, wenn der Kenroku-en Garden abends nicht beleuchtet wäre, vor allem die blühenden Kirschbäume.

 

 

Abends schaut alles noch mal ganz anders aus als am Vormittag. Sogar noch schöner! Schaut einfach toll aus, wenn sich die beleuteten Kirschbäume im Wasser spiegeln.

 

„Through artworks that undermine the human senses, I explore the ways we understand phenomena, enter into relationships with spaces, and grasp reality.“

— Leandro Erlich zu seinem Kunstwerk "Swimmingpool"

 

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