Kyoto

 

Von Philosophen und Tempeln

Mittwoch, 01.04.2026

 

Leider regnet es sich so richtig ein. In Japan ist das nicht DAS große Problem, kann man sich doch in praktisch jedem Hotel und jeder Ferienwohnung kostenlos Schirme leihen. Bei 7 Eleven & Co. gibt es außerdem welche für ‘nen Appel und ‘n Ei zu kaufen. Kurz vor dem Philosophenweg – unserem heutigen Ziel - decken wir uns bei einem Bäcker für einen Philosophen-Snack ein. Von uns zum Philosophenweg ist es nicht weit. Quasi ein Spaziergang vor dem Spaziergang.

 

 

Der Philosophenweg wurde 1890 eingeweiht, 1918 erweitert und führt zu einigen der schönsten Tempel und Schreine Kyotos. Es geht immer am Lake Biwa Canal entlang – Kirschblüten, wo man hinschaut. Kein Wunder, dass trotz des durchwachsenen Wetters noch relativ viele Touris unterwegs sind. Ich möchte nicht wissen, welche Szenen sich hier abspielen, wenn die Sonne scheint.

 

 

Erster Höhepunkt ist der Ginkaku-ji, der silberne Tempel. Ein Shogun ließ die Anlage 1482 als Altersruhesitz errichten. Da habe ich echt schon schlechtere Ruhesitze gesehen. Noch mehr als der Tempel selbst hat mich der Garten beeindruckt. Dieser stammt aus der Edo-Zeit.

 

 

Wieder zurück am Philosophenweg kommen wir an einem Café vorbei, dessen Besitzer gerade öffnet. Wir machen Pause. Eine gute Entscheidung. Nicht nur, dass es guten Kaffee und einen schmackhaften Snack gibt, der Senior mit seiner Frau kümmern sich rührend um uns. Das Café ist etwas aus der Zeit gefallen, entspricht keinem der aktuellen Lifestyle-Klischees, weshalb es die meisten links liegen lassen. Uns soll es Recht sein.

 

 

Am Ende des Weges wartet der Nanzen-ji auf uns. Das Schöne dort: Man ist die ganze Zeit in der Tempel-Anlage, kommt an wunderschönen Wänden vorbei und hat immer wieder einen Blick auf die Gartenanlage. Perfekt bei diesem Wetter. Wer Japan wirklich erleben will, sollte zwischendurch die Schuhe ausziehen, den Schirm in eine stylishe Plastikhülle packen und einfach relaxt durch einen Tempel laufen, während es draußen weiter endlos regnet.

 

 

Wir haben genug vom Regen, fahren also zum Bahnhof weiter. Das ist Kyoto. Ist man auf den Bus angewiesen, ist man gefühlt tagelang unterwegs. Zum 1200. Jahrestag der Stadt wurde 1997 ein neues Bahnhofsgebäude eingeweiht: 470 Meter lang, 70 Meter hoch. Zum Bahnhof gehört auch das Isetan-Kaufhaus mit einer fantastischen endlos scheinenden Treppe in XXL-Breite (und Rolltreppe). Mit Andenken und Büchern haben sie es im Kaufhaus leider nicht so.

 

 

Zum Abschluss schauen wir uns noch die Lichtershow an, die auf die Treppen projiziert wird. Bei 11 Etagen kann man schon was zeigen.

 

„Kyoto ist nicht nur eine Stadt, es ist eine Erfahrung. Die Luft ist erfüllt vom Duft des Weihrauchs aus den Tempeln, dem Klang traditioneller Musik aus den Teehäusern und dem Anblick von Geishas, die sich anmutig durch die Straßen bewegen.“

-- Pico Iyer (*1957), britischer Reiseschriftsteller und Essayist

 

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