Chureito

 

Schöner geht’s nicht!

Samstag, 11.04.26

 

Sonne! Die Wettervorhersage für heute tritt ein: Strahlend blauer Himmel! Es hat sich also definitiv gelohnt, insgesamt vier Übernachtungen am Fuji zu buchen, die eine in Ohiradai und die drei in Kawaguchiko.

 

 

Daniela hatte sich ein Rad geliehen (kostenlos bei unserem Vermieter), Susanne und ich besteigen den Bus. Unser Ziel ist der Bahnhof, von wo aus wir nach Shimoyoshida fahren. Es geht wieder vorbei am riesigen Freizeitpark. Hat schon was, so eine Achterbahn mit dem Fuji dahinter.

 

 

Wir steigen aus und gehen in Richtung Chureito Pagode. Seit ich ein Foto gesehen habe von dieser Pagode inmitten von blühenden Kirschbäumen mit dem Fuji im Hintergrund, war ich schockverliebt in diesen Blick.

 

 

Leider war ich nicht der einzige. Wir stellen uns in eine endlose Schlange. Laut Hinweisschild dauert es bis zum Aussichtspunkt drei Stunden. Glücklicherweise haben wir nur etwas mehr als die Hälfte der Zeit gebraucht. 

 

 

Während sich die Japaner alle brav anstellen und 98% der Europäer und Amerikaner auch, halten Chinesen nicht viel von dieser Variante. Dauernd wollen die sich vorbeidrängeln „I only wanna make a photo!“ Was glaubt ihr denn, warum wir da rumstehen? Dass der Fuji ausbricht? Dass der Kaiser von China vorbeischaut? Oder gar auf den Weihnachtsmann? Zusammen mit ein paar anderen gut gebauten Herren, errichten wir eine Art Sperre, wo fast keiner vorbeikommt. Einen auf Krawall gebürsteten feindseligen US-Amerikaner, der uns offen mit Gewalt droht, lassen wir durch. Sah optisch aus wie der jüngere Bruder von Donald.

 

 

 

Als wir endlich oberhalb der Pagode ankommen, erleben wir wieder ein Paradebeispiel an japanischer Effizienz. Es dürfen immer maximal etwa 50 Personen die Sperre passieren. Dort haben wir acht Minuten Zeit (kam mir viel kürzer vor, aber mein Fotoapparat sagt klar: „Peter, es waren acht Minuten!“), um uns auszutoben. Einfach den Ausblick genießen oder Fotos schießen. Kurz vor Ablauf der Zeit kommen zwei Angestellte mit einem Seil und schieben alle sanft am hinteren Ende der Aussichsplattform wieder raus.

 

 

Bei vielen Rundreisen steht ein Besuch dieses Aussichtspunktes ebenfalls auf dem Programm. Aber an einem Tag von Tokyo mit dem Bus rüberfahren, den Aussichtspunkt und noch drei bis vier weitere Sachen zu besuchen – lachhaft, einfach nur lachhaft! Das klappt nur in den Träumen der verantwortlichen Tourenplaner oder allenfalls außerhalb der Kirschblütenzeit.

 

 

Es ist allerhöchste Eisenbahn für ein Frühstück, immerhin ist 11:30 Uhr vorbei. Wir finden eines, für japanische Verhältnisse hoffnungslos überteuert, aber gut.

 

 

Es geht über die Bahngleise – schnell noch ein Foto geschossen mit einem Zug vor dem Fuji – in den Ort Fujiyoshida. Dort entstand dank Influencer ein weiterer Hype, da die dortige Hauptstraße, die Honcho Street, genau auf den Fuji zuläuft. Für Einheimische ist eine Fahrt über diese Straße zum Haare raufen. Auf jedem Fußgängerübergang stehen diese fotografierenden Typen rum.

 

 

Wir genießen ein total leckeres Eis und schauen derweil zu, dass auch Japaner irgendwann aggressiv werden wegen der Touris, die mitten auf der Straße stehen bleiben – wenngleich viel später als wir Deutsche.

 

 

Als wir mit dem Zug wieder in Kawaguchiko ankommen, sollte unser Bus laut Fahrplan bereits vor 40 Minuten weggefahren sein. Wir haben also Hoffnung… und verpassen ihn doch um 30 Sekunden. Also laufen wir. Unterwegs kehren wir in einem Café ein, essen und trinken was.

 

 

Es geht erst durch den Ort, dann am See entlang, über eine lange Brücke zu unserer Seeseite. Während ich noch mal zur Promenade rüberlaufe, geht Susanne schon mal zu unserer Wohnung und reserviert unterwegs in dem Lokal, wo wir schon vorgestern waren und rettet uns so vor dem Verhungern. Äh, wann waren wir das letzte Mal essen?

 

 

Am Ufer sind heute deutlich mehr Spaziergänger unterwegs als vor zwei Tagen, aber auch Influencer. Am auffälligsten war eine 10-Jährige (allerhöchstens 13, wenn sie sehr klein und sehr kindlich wirkt), wahrscheinlich Japanerin, die immer und immer wieder aufzeichnet, wie sie vor dem Fuji tanzt. Ich glaube, ich bleibe beim Fotografieren. Obwohl: Vielleicht löst ja ein älterer, tanzender, leicht übergewichtiger Mann einen neuen Hype aus...

 

 

Daniela war derweil mit dem Rad unterwegs. Sie kam nach uns am Fuße des Berges an, wo es zur Chureto Pagode hochgeht. Inzwischen war die Schlange noch länger geworden, so dass sie das Thema abgehakt und gleich zur Honcho Street weiterfährt. Sie hatte uns Fotos geschickt, die uns dann Appetit machten. Apropos Appetit: Sie war in der gleichen Eisdiele wie mir. Danach ging sie wandern, eine Strecke, die ich schon in Deutschland rausgesucht hatte. Gestern war das Wetter ungeeignet und heute reizte mich die Chureito Pagode mehr. Und ehrlich gesagt hatte ich auch nicht erwartet, dass man bei der Pagode so lang ansteht...

 

 

Auf dem Weg zum Abendessen machen wir nochmal einen Schlenkerer zum See und genießen den Sonnenuntergang mit Blick über den See auf den Fuji. Das Essen war genauso gut wie vorgestern.

 

"Mehr Japan als an der Chureito-Pagode gibt es nicht. Auch nicht, was die Menschenmassen angeht"

-- Peter Belina

Druckversion | Sitemap
© Peter Belina - Binmalebenweg - Reiseblogs - Reisereportagen - Reisefotos
↑