Montag, 01.12.2025
Wanderung von Marsaskala nach Marsaxlokk
Eigentlich fahre ich gerne Auto. Panikattacken hatte ich da auch noch nie. Bis heute. Weil Google Maps will, dass ich nach Südosten fahre, weil ich einen schlecht ausgeschilderten Kreisel übersehe und jemanden die Vorfahrt nehme und fast einen Unfall verursache, weil ich für acht Kilometer über eine Stunde unterwegs bin.
Als ich die Faxen dicke habe, mache ich erst mal einen Stop in Zabbar, als ich am Ende der Straße eine schöne Kirche entdecke, die Parish Church of Our Lady of Graces. Auf dem Weg zu Fuß zur Kirche entdecke ich eine Bäckerei mit leckerem warmen Gebäck, das nur ein Appel und Ei kostet. Auf dem Weg zurück koste ich gleich noch das Gebäck der Konkurrenz.
Als ich in Marsaskala ankomme, schaue ich, dass ich aus dieser Kiste rauskomme. Wie überall auf Malta, wird auch hier gebaut. Eigentlich wollte ich einen Espresso am Hafen trinken. Stattdessen schaue ich, dass ich aus diesem wenig attraktiven Ort rauskomme.
Es ist warm heute. In der Abgeschiedenheit eines Leuchtturms trenne ich die Hosenbeine meiner Hose ab und ziehe meine Strapse aus. Pardon, ich meine natürlich meine Stützstrümpfe. Dort lasse ich meine Beine auch mal im Wasser baumeln.
Beim Ortsausgang laufe ich an einer Mauer mit ein paar schönen Graffiti vorbei, an luxuriösen Villen mit großen Panoramafenstern und an der Ruine einer größeren Hotelanlage mit viel Street Art, dem Jerma Palace Hotel, 1982 von einer libyschen Investmentfirma Gaddafis errichtet und bereits 2007 wieder geschlossen. Und irgendwo dazwischen drin die Festung St. Thomas Tower.
Auf einem wunderschön gelegenen Weg über saftige Wiesen und entlang einer Steilküste mache ich eine wunderschöne 12 Kilometer lange Wanderung nach Marsaxlokk. Immer wieder wird die Steilküste unterbrochen durch Torbögen. Ich komme auch an der Ausgrabungsstätte Xrobb l-Għaġin mit ihren Tempel-Ruinen vorbei.
Es ist später Nachmittag, als ich in Marsaxlokk ankomme. Mein Ziel: Ich will schnell zu meinem Auto, damit ich nicht durch die Nacht fahren muss. Klappt nicht so wirklich. Bei den Bushaltestellen, bei denen ich aufschlage, fährt kein Bus nach Marsaskala zurück.
Bei der Tourist-Info erfahre ich schließlich, wo ich hin muss. Der Bus soll in 5 Minuten fahren. 15 Minuten später: Kein Bus da, 25 Minuten später: Kein Bus da. Ich schaue nach, wie lange der Bus eigentlich zu meinem Ziel braucht. Was? 90 Minuten??? Für 8 Kilometer????? Sch…! Bei dem chaotischen Verkehr habe ich echt keinen Bock, durch die stockdunkle Nacht zu fahren. Plan B muss her: Mit dem Bus nach Valletta (der fährt auch deutlich häufiger), mit der Fähre rüber nach Senglea und am nächsten Morgen mit dem Bus zum Auto.
Zwei junge Frauen, vielleicht so Mitte 20 sprechen mich an, ob hier die Busse nach Valletta fahren. Meine Antwort: „I hope so!“. Da spricht uns ein älterer Herr an, dessen Kleinbus 50 Meter entfernt steht und bietet an, uns für nur fünf Euro in 15 Minuten nach Valletta zu bringen.
Ich wäre dabei, meine beiden potenziellen Mitfahrerinnen, Bulgarinnen, wie ich später erfahren sollte, ziehen noch nicht so recht mit. Die eine meint zu mir: In Horrorfilmen wird man da entweder massakriert, aufgefressen oder das Blut ausgesaugt, wenn man mitfährt. Ich erwidere – mit dem nötigen Ernst in der Stimme – Wir sind zu dritt, der Vampir alleine.
Alle 20 Minuten soll ein Bus fahren. 30 Minuten später sollten wir immer noch an der Bushaltestelle stehen. Unser potenzieller Fahrer hat den Preis inzwischen auf 3 Euro pro Kopf gesenkt. So viel kostet der reguläre Bus auch. 15 Minuten später sind wir tatsächlich am großen Busterminal in Valletta, vor den Toren der Altstadt. Die beiden wollen weiter nach St. Paul’s im Norden, ich muss in die Stadt und dann runter zur Fähre.
In der total überlaufenen Fußgängerzone treffe ich die beiden Bulgarinnen wieder – ob ich denn ein Foto von ihnen machen könnte. Ein paar Minuten später laufen wir uns im Spar über den Weg, wo ich mir noch was zu trinken gekauft habe. Wir beschließen, gemeinsam Essen zu gehen. Dort erfahre ich, dass die beiden vier Wochen lang rund ums Mittelmeer unterwegs sind. Sie waren bereits in Griechenland und sind über Sizilien nach Malta. Über Sizilien soll es dann weiter gehen per Fähre nach Tunesien.
Apropos Fähre, ich erreiche gerade noch die letzte Fähre nach Senglea. Sonst hätte ich einen Bus nehmen müssen – oh my god!