Mittwoch, 03.12.2025
Mdina: Kleinod in der Inselmitte
Hilfe, die Kreuzfahrer kommen!
Will ich heute rüber nach Valletta, um mir die Stadt mal genauer anzuschauen oder doch lieber ins Inselinnere nach Mdina?
Wie jeden Morgen führt mich mein Weg zu den Gardjola Gardens mit dem unglaublichen Blick auf Valletta. Moment mal, wo bitte ist Valletta hin? Von Außerirdischen gekapert, von den Osmanen doch noch platt gemacht? Nein, von den Kreuzfahrern erobert.
Deren Schiff, der MSC World Europe, da passen bis zu 6.774 Passagiere drauf (333 Meter lang, 21 Decks), blockiert die Sicht auf die Stadt. Daneben die geradezu winzige Viking Saturn mit Platz für 930 Passagiere (227 Meter lang). In der Summe tummeln sich also bis zu 7.700 Kreuzfahrttouristen in einer Stadt, die gerade mal 5.800 Einwohner zählt. Keine Frage, ich fahre nach Mdina!
13 Kilometer hin und 13 Kilometer zurück und die Besichtigung vor Ort, sind zu Fuß vielleicht auch nicht das reinste Zuckerschlecken. Also doch ins Auto gesetzt…
Irgendwann, nach vielen Irrungen und Wirrungen, komme ich in Mdina an und finde auch tatsächlich direkt am Stadttor einen Parkplatz. Da wollte ich eigentlich gar nicht hin – ist aber viel besser als mein ursprüngliches Ziel.
Das überschaubare Mdina und der größere Nachbarort Rabat liegen leicht erhöht. Man sieht sie schon von weitem, was die Anfahrt durchaus etwas erleichtert. Man sieht aber auch, dass gnadenlos gebaut wird. So wie es etliche Bausünden in Valletta und vor allem in Birgu gab, so gibt es die auch in Rabat. Den hässlichen Hochhauskomplex sieht man schon von weitem.
Durch Mdina zu schlendern, macht Spaß, schöne Gassen, interessante Gebäude, abwechslungsreiche Plätze – und immer mehr Regen. Ich fliehe in die Kathedrale. 1693 errichtet, nach einem Erdbeben, das die ganze Stadt zerstört hatte. Nachdem ich meinen Obolus bezahlt habe und durch das Tor die Kirche betrete, bin ich regelrecht erschlagen von der opulenten Ausstattung, darunter auch mehrere Gemälde Pretis oder die „Verkündigung“ von Domenico Bruschi. Man weiß gar nicht, wo man hinschauen soll, auf den Alter, die Orgel, die Kuppel, die Decke, die Bilder oder doch den Boden?
Ich sprinte über den Platz ins Kathedralmuseum (Ticket gilt für Kirche und Museum) – es regnet immer noch. Das Barockgebäude aus dem 17. Jahrhundert war mal ein Priesterseminar. In schön gestalteten Räumen warten alte und farbenfrohe Bücher, kirchliche Artefakte sowie etliche Gemälde auf mich. Darunter 80 Originalstiche von Albrecht Dürer.
Nieselregen. Also am Besten erst mal was essen drüben in der Nachbarstadt Rabat, die ich mir nebenbei anschaue. Wie in Senglea lande ich in einem Restaurant, das in einem Palast untergebracht ist, diesmal aber mit etwas gehobenerem Ambiente. Nach dem Essen ist es endlich vorbei mit dem Regen. In der „Hauptstraße“, einer Straße mit einer Fahrspur, sind unzählige Stände für den allabendlichen Weihnachtsmarkt aufgebaut.
Ich werfe einen Blick in die St. Paul’s Church. Die Kirche wurde immerhin von den Päpsten Paul II. und Benedikt XVI. besucht. Wirklich schön das Altarbild. Unterhalb der Kirche die Paulusgrotte. Echt gemein: Ein Schild „Mind your step“. Während ich unten aufpasse, knalle ich mit meinem Kopf voll gegen die Decke. Technischer k.o. in der ersten Runde!
An der Piazza Sant’ Agata erwartet mich noch die St. Cataldus Church. Auch unter dieser Kirche gibt es schöne Katakomben. Auch hier haut sich der liebe Peter den Kopf voll an. Technisches k.o. auch in der zweiten Runde. Auf die weiteren Katakomben verzichte ich lieber mal.
Stattdessen besuche ich ein kleines Museum direkt vor den Toren von Mdina, die Domus Romana. Hauptattraktion: ein gut erhaltener Mosaikboden aus der Römerzeit.
Für die 13 km zurück bin ich knapp 2 ½ Stunden unterwegs, es geht nur im Schritttempo vorwärts. Die Fußgänger ziehen nur so an mir vorbei. Praktisch auf der gesamten Strecke stehe ich im Stau. Hätte ich doch zu Fuß gehen sollen?
Als ich endlich wieder im beschaulichen Senglea bin, mache ich wieder einen kurzen Abstecher zu den Gardjola Gardens. Siehe da, die MSC World Europe verlässt gerade den Grand Harbour. Das ist gut, dann sind bei meinem Besuch morgen ein paar Tausend Touris weniger in Valletta. Als es dunkel ist, gibt es ein Feuerwerk drüben in Valletta. Ob das ein Freudenfeuerwerk ist, weil das Kreuzfahrtschiff die Stadt verlässt?
Wie die Abende zuvor esse ich wieder in einem der Lokale unten an der Bucht mit Blick auf Birgu. Die sind allesamt gut, bieten etwa erstklassigen Fisch. Preislich liegen sie alle auf ähnlichem Niveau. Für ein Hauptgericht berappt man seine 25 bis 30 Euro.