Freitag, 05.12.2025
Dingli Cliffs
Auf zum höchsten Punkt der Insel
Wegen des Regens vor zwei Tagen war ich seinerzeit nicht bei den Dingli-Klippen, eine Verbindung von Mdina und Rabat mit Dingli, aber auch Hagar Qim und Mnjadra, zwei der ältesten Tempelmonumente weltweit (Weltkulturerbestätte), hätte sich sonst angeboten.
Hat bei dem Regen vor zwei Tagen wenig Sinn gemacht, heute auch nicht. Ich komme bei den Klippen an, will aus dem Auto steigen, um eine kleine Wanderung zu machen. Nach 100 Metern komme ich in einen vollen Regenschauer. Schnell zurück ins Auto, den Krimi von Deon Meyer weiterlesen. Ab und an den Scheibenwischer einschalten, um zu schauen, ob der Regen nachgelassen hat.
20 Seiten später ist es so weit, es tröpfelt nur noch. Gerade, als ich aussteigen will, kommen drei junge Französinnen vorbei, eine klopft an mein Auto. In welcher Richtung denn Mdina läge. „Da lang, ein Stück weiter hinten sieht man die Kirche.“ Ob ich sie dort hinfahren könne. Mit dem Kindle in der Hand sage ich: „Tut mir leid, ich habe eine viertel Stunde darauf gewartet, dass der Regen nachlässt, ich will jetzt etwas wandern.“ Ich glaube, die haben mich für einen sehr schrulligen Alten gehalten. Die spinnen, die Franken!
Ich komme 500 Meter weit, der nächste Wolkenbruch kommt runter. Schnell zurück zum Auto. Buch weiterlesen. Ein paar Minuten später kommt ein norwegisches Pärchen. Sie klopft an meine Fensterscheibe. Ob sie zu mir ins Trockene könnten? Ich muss etwas verblüfft geschaut haben, sie fängt das Lachen an. Klar, rein mit Euch! Wenn ihr es schafft einzusteigen, in diese Fehlkonstruktion von Auto einzusteigen. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, geben uns gegenseitig Tipps zu den schönsten Ecken Maltas.
Es hört auf zu regnen. Die beiden marschieren zurück zu ihrem Auto, ich versuche ein drittes Mal vor zur Landzunge zu kommen – die Wanderung habe ich mir inzwischen abgeschminkt.
Ich schaffe es tatsächlich und bleibe auch weitgehend trocken. Ich kann aber nicht auf dem Weg gehen, der steht unter Wasser.
Nirgendwo geht es auf Malta höher hinaus als hier, die Klippen erreichen eine Höhe von bis zu 230 Metern. Dort sieht man auch den südlichsten Fleck Maltas, die kleine Insel Fifla. Die war früher bewohnt, bis 1970 fanden dort Schießübungen der Royal Navy statt, heute darf die Vogelinsel niemand mehr betreten. Es fängt wieder kräftig zu regnen an – und es sollte erst am Abend wieder aufhören.
Wegen des Wolkenbruchs entwickelt sich die Rückfahrt zum – Überraschung! - Horrortrip. Praktisch alle Straßen stehen unter Wasser. Mal 5, mal 10, mal 20 Zentimeter. Für die 16 Kilometer brauche ich über 3 Stunden! Mein Navy ist nicht sonderlich hilfreich. „Nehmen sie beim Kreisel die sechste Ausfahrt“ Was tun, wenn es nur vier Ausfahrten gibt? Irgendwann wird mir klar, dass Google Maps bei getrennten Fahrbahnen immer beide Bahnen rechnet. Die sechste Ausfahrt ist also eigentlich die Dritte. Meine Lieblingsansage: „Nehmen sie die linke Spur, biegen sie rechts ab!“. Gott sei Dank rechnen die Malteser mit allem, auch mit deutschen Touristen mit Google Maps und lassen mich rüber. Es geht im Stop and Go-Verkehr über die Insel. Es sind aber auch ein paar Vollpfosten unterwegs, in etwa Form von Motorradfahrern, die in vollem Tempo zwischen den Autos durchbrausen (Achtung! Wortspiel!). Plötzlich kommen sechs Motorräder hintereinander. Der Erste kommt aufgrund des Aquaplanings ins Schleudern und spielt Pingpong. Er ist der Ball und knallt abwechselnd links und rechts gegen die stehenden Autos. Seine Hintermänner können nicht schnell genug bremsen und ausweichen sowieso nicht. Noch mehr Tischtennisbälle! Mein Mitleid hält sich echt in Grenzen.
Niemand scheint sich größere Verletzungen zugezogen haben. Die Autos haben allesamt Dellen. Alle Betroffenen brüllen sich im Wolkenbruch gegenseitig an. Ich war glücklicherweise nicht betroffen, auf das ganze Prozedere mit Polizei, Autovermietung und Versicherung kann ich echt verzichten!
Irgendwann komme ich auf die Straße, die mich nach Senglea bringt. Hier kenne ich mich aus. Hier gibt es keinen Stau. Uff!
Heute ist mein letzter Abend. Ich gehe noch mal in das Lokal, wo mir das Essen am besten geschmeckt hat. Koffer ist gepackt, wie schon gestern habe ich die Heizfunktion der Klimaanlage eingeschaltet. Ich bin gerade am Einschlafen, als ich plötzlich aufschrecke. Ich habe beim Auto das Licht nicht ausgeschaltet. So archaisch, wie die Kiste ist: Geht das Licht automatisch aus? Oder entlade ich gerade meine Batterie? Sch…! Also wieder angezogen, die 118 Stufen zum Auto runter. Licht ist aus, also wieder 118 Stufen hoch und ab ins Heia!
Samstag, 06.12.2025
Bye bye Malta!
Ich glaube, man konnte erkennen, dass ich ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Malta habe: Auf der einen Seite der totale Overtourism vor allem von Valletta und das extrem nervige Autofahren – auf der anderen Seite wunderschöne (vom Tourismus kaum berührte) Städte, tolle Landschaften, gutes Essen und freundliche Leute. Fazit: Malta ist trotz allem auf jeden Fall eine Reise wert!