Ich sitze im Pool, oder besser gesagt an der Poolbar. Gerade
einmal knietief, aber mit Sitzgelegenheiten und angenehm warm temperiert. Bier und Pool hatte ich mir nach dem intensiven Tag wahrlich verdient. Der Pool gestern im Garten war zwar auch toll, das
hier oben ist aber eine andere Liga!
Unabhängigkeitsdenkmal
Gleich am Morgen waren wir beim Unabhängigkeitsdenkmal. Bis 1953 war Kambodscha eine französische Kolonie,
1958 wurde das Denkmal errichtet.
Also Leute, Kambodscha ist längst keine Kolonie
mehr!
Danach geht es gleich weiter zu den Highlights des heutigen Tages: den königlichen Palast und die
benachbarte silberne Pagode. Hier wurde sehr deutlich, dass Kambodscha mal französische Kolonie war (Imperfekt!) und dass das (Präsens!) in Frankreich noch nicht überall angekommen ist. Die
französische Reisegruppe trat auf wie die Herrenrasse. Ähnliches habe ich auch in ehemaligen englischen Kolonien in Afrika
beobachtet. Kann sein, dass ein solches Verhalten auch von Deutschen in ehemaligen deutschen Kolonien angeprangert werden muss. In Tansania (Deutsch-Ostafrika) zumindest ist mir Vergleichbares
nicht aufgefallen.
Früher wurden die Königspaläste aus Holz errichtet, so stammt der
aktuelle Palast aus dem Jahr 1860. Kambodscha ist bis heute eine konstitutionelle Monarchie, der Palast wird nach wie vor für Repräsentationszwecke verwendet, etwa für
Staatsempfänge.
Der König wohnt weiter hinten, hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Gebäude. Alle mit unglaublich viel Gold
verziert. Auch die Silberpagode. Die heißt so, weil der Boden komplett aus Silberplatten besteht. Die sind aber heute mit Teppichen belegt - bei der Zahl an Touristen wäre es nur eine Frage der Zeit,
bis sich das Silber verdünnisiert hätte.
Königliches Wasser
Absolut beeindruckendes Areal! Ach ja, bleibt noch das königliche Wasser. Beim Verlassen des Palastes drückt
einem der König jeden Besucher eine Flasche seines Wassers in die Hand. Obwohl, wenn ich genau darüber nachdenke, ich glaube, das war gar nicht der König. Eine nette Geste war es trotzdem.
Nach einem Mittagessen in einem typischen Touristenlokal (wir haben Yim, unserem erstklassigen Guide für
Kambodscha klar gemacht, dass er unsere Mägen künftig gerne mehr fordern darf), besuchen wir S21, das berüchtigte Gefängnis der Roten Khmer.
Pol Pot und seine Roten
Khmer
Das Museum zeigt am Beispiel dieser ehemaligen Schule, die zu einem Gefangenenlager umfunktioniert wurde,
die bestialische Brutalität der Roten Khmer. Von den mindestens 8.000 Insassen dort überlebten nur sieben. Sieben! Von denen leben heute noch zwei, die beide noch jeden Tag vor Ort sind. Ich finde
das einerseits wichtig, damit sie der kambodschanischen Jugend die Gefahren eines solchen Regimes klar machen. Andererseits hatte ich vor allem bei dem ehemaligen Maler den Eindruck, dass er nur noch
bedingt Herr seiner Sinne ist.
Im S21 gab es verschiedene Arten von Kerkern. Vergleichsweise
“großzügige” für Beamte, von denen die Khmer alles erfahren wollten, was sie über andere Personen wussten. Hatten die Khmer den Eindruck, die betreffende Person verschweigt etwas, würde sie
gefoltert. Hatten sie den Eindruck, alles von Relevanz erfahren zu haben, wurde die Person umgebracht.
Das inhaftierte gemeine Volk musste tagelang Seite an Seite stehen. Jeder, der sich
bewegt hat, wurde “bestraft”. Nach dem Essen (eine Handvoll Reis) wurden alle gefragt, ob das Essen ausreichend war. Wer sich gemeldet hat, dass das Essen nicht ausreicht, wurde nie wieder
gesehen.
Ein hartes Stück Sightseeing. Aber ein Muss für jeden, der Kambodscha besucht, damit die
vielen Tausend Menschen wenigstens nicht völlig umsonst verstorben sind. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Menschheit hat es in ihrer Zivilisationsgeschichte weit gebracht!!!
So wie auch in Armenien.
Wat Phnom
27 Meter hoch ist der künstliche Hügel mit seinen 300 Metern Durchmesser. Die Stupa ist das höchstgelegene religiöse Bauwerk der Stadt. Die wohlhabende Witwe Daun Chi Penh hatte der
Legende nach den Bau im Jahre 1372 veranlasst, nachdem sie fünf Buddha-Statuen in einem Baumstamm am Ufer des Mekong gefunden hatte, der durch eine große Flutwelle flussabwärts gespült wurde.